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"Mutterschaft" von Sheila Heti

Buchcover: "Mutterschaft" von Sheila Heti

Lesefrüchte

"Mutterschaft" von Sheila Heti

Möchte ich ein Kind oder nicht? Diese Frage ist Ausgangspunkt von Sheila Hetis ungewöhnlichem Buch von stiller Radikalität, das den Blick öffnet für einen neuen Diskurs um (Nicht-)Mutterschaft.

"Mutterschaft" ist der Versuch einer Eroberung dieses Raumes. Es ist ein ungewöhnliches Buch von stiller Radikalität. Sheila Heti nimmt sich eine gedankliche Freiheit, wie sie selten ist bei diesem Thema. Denn kaum eine andere Diskussion ist aktuell derart ideologisch aufgeladen wie die über Mutterschaft.

Die kanadische Schriftstellerin überschreitet bewusst Grenzen, formal und intellektuell. Sheila Heti eröffnet einen neuen Blick auf Geschlechterrollen. Die Stärke des Buches liegt darin, dass es kein Manifest ist. Heti hat nicht den Anspruch, für alle Frauen zu sprechen. "Mutterschaft" ist kein Buch gegen Mutterschaft.

Einer der berührendsten Sätze: "Es liegt eine Art Traurigkeit darin, etwas nicht zu wollen, was dem Leben so vieler anderer Bedeutung verleiht." Es ist ein Buch für eine andere Erfahrung von Mutterschaft, die der Nicht-Mutterschaft. Denn kein Kind zu haben, ist genauso eine aktive Handlung. Und ein Bekenntnis dazu kommt einem Coming Out gleich.

Eine Rezension von Simone Schlosser

Literaturangaben:
Sheila Heti: Mutterschaft
Aus dem Englischen von Thomas Überhoff
Rowohlt Verlag, 320 Seiten, 22 Euro

Stand: 22.03.2019, 13:31