"Metropol" von Eugen Ruge

Buchcover: "Metropol" von Eugen Ruge

Lesefrüchte

"Metropol" von Eugen Ruge

Charlotte Germaine und ihr Lebensgefährte Wilhelm, beide überzeugte Kommunisten, flüchten vor den Nazis in die Sowjetunion. Dort geraten sie in den Großen Terror von 1936 - 1938, die Stalinschen Säuberungen.

Ein Bekannter von ihnen wird als Volksfeind zum Tode verurteilt, was die beiden in tiefe Panik versetzt. Obwohl sie wegen dieser Bekanntschaft öffentlich Selbstkritik üben, werden die beiden politisch kaltgestellt. Die Partei schiebt sie mit anderen ausländischen Genossen ins elegante Moskauer Hotel Metropol ab. Dort leben die beiden 477 Tage wie in einem Luxusgefängnis, reden kaum noch miteinander. "Die Ratte des Zweifels", wie Ruge schreibt, huscht ständig durch ihr Zimmer.

Im Metropol wohnt auch der mächtige Oberste Militärrichter Ulrich, Stalins wichtigster Vollstrecker. Er stellt immer mehr und immer schneller seine Todesurteile aus. Hilde Tal, frühere Frau von Wilhelm und Kommunistin der ersten Stunde, glaubt, dass nur die Geheimpolizei, das NKWD, für den unionsweiten Totentanz verantwortlich sein kann und will Stalin warnen. Ein großer, bedrückender, wichtiger zeitgeschichtlicher Roman, der zeigt, dass der Kitt jeder Diktatur die Angst ist.

Eine Rezension von Andrea Lieblang

Literaturangaben:
Eugen Ruge: Metropol
Rowohlt Verlag, 432 Seiten, 24 Euro

Stand: 13.12.2019, 14:04