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"Mein Mann" von Rumena Buzarovska

Buchcover: "Mein Mann" von Rumena Buzarovska

Lesefrüchte

"Mein Mann" von Rumena Buzarovska

Gefangen in Konventionen. In den Erzählungen "Mein Mann" der mazedonischen Schriftstellerin Rumena Buzarovska treiben sich Ehepartner gegenseitig ins Abseits und können doch nicht ohne einander.

In elf Stories erzählt Rumena Buzarovska grotesk absurd wirkende Ehe- und Ehebruchgeschichten. Die verschiedenen Erzählungen eint, dass sie alle aus der Perspektive der Ehefrauen erzählt sind, die aber aus sehr verschiedenen Gründen unter ihrem Dasein leiden.

Attraktive Erscheinung, High Heels, Schminke, möglichst kurzer Rock ist bei den Mittdreißigjährigen Pflicht. Die Männer sind meist Machos verschiedenster Art, vom Künstler bis zum Arbeiter, die über das Familienleben bestimmen, was ihnen aber nur selten gelingt. Nur halbherzig versuchen die Frauen aus den Konventionen auszubrechen, die ihnen auch Halt versprechen. Meist bestehen diese Versuche im Fremdgehen und nehmen nicht selten groteske Züge des Scheiterns an oder eskalieren tragisch. Ähnlich verhält es sich mit der Erziehung der Kinder. Die Mütter berichten über ihre Kinder mit kühler Distanz und Abwehr der Mutterrolle.

Rumena Buzarovska entwickelt Geschichten über eine Gesellschaft, in der die archaischen Rollenmuster Mann/Frau an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Das hat auch mit der besonders in Ländern wie Mazedonien seit einer Generation auseinanderbrechenden Großfamilienstruktur zu tun. Die Geschichten sind nüchtern und knapp, mit einer Prise grotesken Humors erzählt.

Eine Rezension von Terry Albrecht

Literaturangaben:
Rumena Buzarovska: Mein Mann. Erzählungen
Aus dem Mazedonischen von Benjamin Langer
Suhrkamp Verlag, Berlin 2021, 175 Seiten, 22 Euro

Stand: 09.04.2021, 13:06