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"Lebenswerk. Über das Mutterwerden" von Rachel Cusk

Buchcover:  "Lebenswerk. Über das Mutterwerden" von Rachel Cusk

Lesefrüchte

"Lebenswerk. Über das Mutterwerden" von Rachel Cusk

Rachel Cusk schreibt über Koliken und Windeln – mit einer Unmittelbarkeit, die berührt und erschreckt. Und die heute so aktuell erscheint wie vor zwanzig Jahren.

Als Rachel Cusk damals aus dem Krankenhaus nach Hause kommt, mit ihrer neu geborenen Tochter im Arm, da hat sie das Gefühl, das Haus einer kürzlich Verstorbenen zu betreten. So unvereinbar erscheint ihr eine Existenz als Frau und Mutter.

Vor der Geburt hat sie sich selbst als emanzipierte Intellektuelle verstanden. Nach der Geburt fällt es ihr schwer, überhaupt einen Gedanken zu fassen. Sie fühlt sich wie eine Pendlerin zwischen zwei Welten. Wobei sie zu keiner dazuzugehören scheint – weder zu der ihrer kinderlosen Bekannten, noch zu den Schilderungen ihrer Elternratgeber.

Das Kind ist da, und nichts ist mehr, wie es einmal war. Das ist im Grundsatz keine neue Erkenntnis. Doch was Rachel Cusk von vielen Müttern unterscheidet, das ist die Unmittelbarkeit, mit der sie darauf blickt. Ihr Buch ist in den wenigen Monaten zwischen den Geburten ihrer beiden Töchter entstanden. Es ist eine Mischung aus Essay und Bericht. Die subjektive Innenansicht einer Lebensphase, die sich jeder objektiven Beschreibung entzieht.

Das Berührende und Erschreckende ist, wie aktuell ihre Erkenntnisse noch immer sind. Und wie sehr sie es wert sind, gerade heute gelesen zu werden – sowohl von Frauen als auch von Männern.

Eine Rezension von Simone Schlosser

Literaturangaben:
Rachel Cusk: Lebenswerk. Über das Mutterwerden
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Suhrkamp Verlag, 220 Seiten, 22 Euro

Stand: 07.02.2020, 13:36