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"Kleine Fluchten" von Carole Fives

Buchcover: "Kleine Fluchten" von Carole Fives

Lesefrüchte

"Kleine Fluchten" von Carole Fives

Die Mutter eines zweijährigen Sohnes hält es in ihrer Einsamkeit und Tristesse nicht mehr aus. Sie verlässt die Wohnung, wenn das Kind schläft. Im Roman "Kleine Fluchten" zeichnet Carole Fives das kluge Porträt einer Alleinerziehenden.

Fehlende Solidarität, prekäre Lebensverhältnisse, soziale Isolation – das sind die Rahmenbedingungen für Alleinerziehende. Die Protagonistin in Carole Fives Roman "Kleine Fluchten" bleibt namenlos, wird allenfalls "Maman" genannt, denn sie ist reduziert auf ihre Funktion: Muttersein.

Sie ist nicht nur allein mit der gesamten Verantwortung, sondern versucht auch noch, alles richtig zu machen, um nicht negativ aufzufallen. Der soziale Druck ist enorm hoch und für sie eine schwere Bürde.

In knappen, präzisen Sätzen schildert Carole Fives den Alltag einer Alleinerziehenden, die versucht Mensch und Frau zu bleiben. Das gelingt ihr nur, mit den kleinen Regelverstößen und den Ausbrüchen aus dem strengen Korsett der Mutterschaft. Ein sehr kluger und zugleich spannender Roman.

Eine Rezension von Barbara Geschwinde

Literaturangaben:
Carole Fives: Kleine Fluchten
Aus dem Französischen von Anne Braun
Paul Zsolnay Verlag, 144 Seiten, 19 Euro

Stand: 07.05.2021, 15:37