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"Kachelbads Erbe" von Hendrik Otremba

Buchcover: "Kachelbads Erbe" von Hendrik Otremba

Lesefrüchte

"Kachelbads Erbe" von Hendrik Otremba

Wünschen Sie sich Unsterblichkeit? Und glauben Sie an ein Leben nach dem Tod? Genau um diese Fragen geht es in "Kachelbads Erbe", dem aktuellen Roman von Hendrik Otremba.

Die Geschichte spielt in den USA der 80er Jahre und es geht um Menschen, die sich zum Ende ihres Lebens einfrieren lassen. Vollkommen freiwillig und für sehr viel Geld. Kryonik. Dieses Wort schwebt über Hendrik Otrembas neuem Roman. Es beschreibt eine Art Wunschvorstellung, ein Streben nach Zukunft, wo bei den meisten bereits Endstation ist.

Menschen, die sich einfrieren lassen, um in 100, 200 oder 300 Jahren wieder zum Leben erweckt werden sollen. Was nach kruder Science-Fiction klingt, ist längst Wirklichkeit. Über 200 Personen lagern zur Zeit weltweit eingefroren in Stickstoff-Tanks und warten auf ihr zweites Leben in einhundert, zweihundert oder fünfhundert Jahren. Genau solche Menschen sind es, über die Hendrik Otremba in „Kachelbads Erbe“ schreibt.

Zu seinen Figuren gehören: ein transsexueller Auftragskiller aus Vietnam, ein größenwahnsinniger Schriftsteller, der das Ende der Menschheit erleben will und eine Wissenschaftlerin, die ihre große Liebe in Tschernobyl verloren hat. Sie alle lagern im Hauptquartier des amerikanischen Kryonik-Unternehmens ‚Exit US‘. Otremba erzählt von ihrem Leben an unterschiedlichen Orten, ihrem Weg bis zum Kälteschlaf und ihrer Unsichtbarkeit. Hendrik Otremba schafft mit seinem Roman eine Art Nebel, der einen während des Lesens umgibt und auch danach lange Zeit nicht loslässt.

Immer wieder wechseln sich Schauplätze, Zeit und Erzählstimmen ab und auch die Stimmung im Buch wandelt sich immer wieder. Las sich die Geschichte gerade noch wie ein philosophisches Essay, verändert sie sich plötzlich in Richtung eines temporeichen Kriminalromans und endet schließlich in einer emotional erdrückenden Liebesgeschichte. "Kachelbads Erbe" ist ein Roman, der in der Vergangenheit spielt, die Gegenwart in Frage stellt und von der Zukunft träumen lässt.

Eine Rezension von Mona Ameziane

Literaturangaben:
Hendrik Otremba: Kachelbads Erbe
Hoffmann und Campe Verlag, 432 Seiten, 24 Euro

Stand: 15.11.2019, 13:50