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"Iva atmet" von Amanda Lasker-Berlin

Buchcover: "Iva atmet" von Amanda Lasker-Berlin

Lesefrüchte

"Iva atmet" von Amanda Lasker-Berlin

Iva und Roy, schon in der Grundschule eng befreundet, wer-den Jahre später ein Paar und bekommen den kleinen Shlomo. Schon früh deckt Roys Vater die politische Schuld von Ivas Vor-fahren in Kolonial- und NS-Zeit auf.

Sie liebt ihren Vater nicht. Doch als er den zweiten Schlaganfall bekommt, fährt Iva sofort zu ihm nach Dresden - ganz die brave Tochter. In der dunklen, ihr stets verhassten Villa, greift Iva immer öfter zu ihrem Asthmaspray: Sie kann nicht mehr richtig durchatmen.

In außergewöhnlichen Sprachbildern beschreibt die Autorin, wie sich trockenes, raschelndes Laub in Ivas Lungen festgesetzt hat: Iva fehlt die Luft zum Atmen. In den achtzehn Tagen bis zum Tod ihres Vaters setzt sie sich mit der nie zugegebenen Familienschuld ihrer Vorfahren auseinander, begangen an den Herero in Deutsch-Südwestafrika, wie Namibia damals genannt wurde. Und Iva ent-deckt in einer Schnorrerin, die sich ihr aufdrängt, ihr Alter Ego: Sie probiert sich aus, macht sich frei von der verlogenen Moral ihres Vaters. Als er stirbt, löst sich auch das Laub in ihrer Lunge: Iva kann wieder atmen.

Der erst 27 Jahre jungen Autorin ist ein Roman von großer psy-chologischer Tiefe und Sprachgewalt gelungen. Oft erreicht nach einem gelungen Debut der zweite Roman nicht das Ni-veau des ersten. Bei Amanda Lasker-Berlin ist es zum Glück an-ders.

Eine Rezension von Andrea Lieblang

Literaturangaben:
Amanda Lasker-Berlin: Iva atmet
Frankfurter Verlagsanstalt, 303 Seiten, 22 Euro

Stand: 02.04.2021, 11:24