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"Im Romanischen Café" herausgegeben von Brigitte Landes

Buchcover: "Im Romanischen Café" herausgegeben von Brigitte Landis

Lesefrüchte

"Im Romanischen Café" herausgegeben von Brigitte Landes

Wie ging’s damals zu in Berlins bekanntester Künstlerkneipe? In teils bunten, flirrenden, auch melancholischen und urteilsstrengen Geschichten und Gedichten erzählen Künstlerinnen und Künstler vom Treiben im Romanischen Café.

Berlin entwickelte sich gegen Ende des 1. Weltkriegs und in den Jahren danach zu einer Kunstmetropole. In keiner anderen deutschen Stadt lebten so viele Schriftsteller, Musiker, Maler und Schauspieler. Wer auf sich hielt, ging ins Romanische Café, "alles, was etwas mit Kunst zu tun hatte oder zumindest dazugehören wollte", schreibt der damalige Starreporter Egon Erwin Kisch. Erich Kästner beobachtet die Platzhirsche im Lokal, "arrivierte Künstler, die es für einen (mit einer Tasse Kaffee nicht zu teuer erkauften) Genuss halten: die Schar der Verunglückten und Aussichtslosen zu betrachten und sich selber, den Erfolgreichen, betrachten zu lassen."

Der kleine Band aus der Insel-Bücherei beschreibt das Romanische Café als Angeberbühne, Absackkneipe, Infobörse und Überlebensraum für hungerleidende Kleinkünstler, die um die Tische der Gutbetuchten scharwenzelten und schamlos schnorrten. Die 25 kleinen Geschichten und Gedichte (u.a. von Kurt Tucholsky, Else Lasker-Schüler, Joseph Roth, Walter Benjamin) sind kurzweiliger Lesestoff aus den 20er Jahren, die im Spiegel dieser Künstlerkneipe eher selten golden waren.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Brigitte Landes (Hrsg.): Im Romanischen Café - Ein Gästebuch
Insel-Bücherei, 127 Seiten, 14 Euro

Stand: 22.10.2020, 17:19