"Ich fahre nach Madrid" von Naira Gelaschwili

Buchcover: "Ich fahre nach Madrid" von Naira Gelaschwili

Lesefrucht

"Ich fahre nach Madrid" von Naira Gelaschwili

Um seinem Alltag zu entfliehen, quartiert sich der 47-jährige Sandro Litscheli im Krankhaus eines befreundeten Chefarztes ein – und träumt sich von dort aus weiter nach Madrid. Eine wiederentdeckte Novelle von zeitloser Schönheit aus dem Georgien der Sowjetzeit.

Sandro Litscheli ist ein Mann mit Träumen. Er möchte Tiflis verlassen und verreisen – egal wohin, solange er nur dem Alltag entfliehen kann. Erschöpft vom Leben findet er seine Ruhe dann aber geographisch betrachtet gar nicht in der Ferne, sondern in einem Krankenzimmer in einem Vorort von Tbilisi.

Sandro Litscheli und sein Freund Gogi, der in jenem Krankenhaus der Chefarzt ist und Sandro gleich neben seinem Büro als Sonderpatienten einquartiert, genießen die gemeinsamen Abende. Sie schwelgen in nostalgischen Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit und entfliehen mit georgischem Cognac dem Alltag.

Und Sandro flieht in seiner Phantasie noch weiter. In seinen Träumen unternimmt er Reisen nach Madrid und in sein tiefstes Inneres. Er singt spanische Lieder, trägt Gedichte vor, malt farbenprächtige Bilder für eine einzig in seiner Phantasie existierende Gemäldegalerie. Er finde Ruhe und Freiheit. Bis ihn ein tragisches Missverständnis im Krankenhaus in die Realität zurückholt.

Eine kurzweilige und überaus phantasievoll geschriebene Novelle. Ein zeitloses, humorvoll geschriebenes Kunstwerk über unerfüllte Träume und über die Kraft der Phantasie.

Eine Rezension von Damla Hekimoglu

Literaturangaben:
Naira Gelaschwili: Ich fahre nach Madrid. Novelle
Aus dem Georgischen übersetzt von Lia Wittek
Verbrecher Verlag, 96 Seiten, 16,00 Euro

Stand: 05.07.2018, 21:31