"Herren der Lage" von Castle Freeman

Buchcover: "Herren der Lage" von Castle Freeman

Lesefrüchte

"Herren der Lage" von Castle Freeman

Ein junges Ausreißerpärchen treibt sich in den Wäldern von Vermont herum, und Sheriff Lucian Wing ist wieder einmal gezwungen, mehr zu tun, als ihm lieb ist.

Zweimal schon hat Castle Freeman seinen nicht gerade einsatzfreudigen Gesetzeshüter aus dem beschaulichen Alltagstrott im ländlichen US-Staat Vermont gerissen. Jetzt, im dritten Lucian-Wing-Roman, soll der Sheriff einem arroganten Anwalt zu Diensten sein und die durchgebrannte Tochter eines steinreichen Geschäftsmannes ausfindig machen.

Wing ist von dem Mann und seinem Auftrag alles andere als begeistert. Wie gewohnt, lässt er es langsam angehen, findet die beiden Ausreißer aber bald und muss feststellen, dass es besser ist, sie dem Anwalt nicht auszuliefern. Als Krimi ist diese Geschichte allenfalls mittelmäßig: nicht besonders spannend, nicht besonders ausgeklügelt, mit einem Ende ohne große Überraschung.

Aber das macht nichts, denn die Hauptattraktion ist hier wieder einmal Castle Freemans trockener Humor, der dem kleinen Roman jede Menge Leben einhaucht. Allein die Szene, in der Lucian Wing sich an sein erstes großes Verliebtsein erinnert, ist so umwerfend gut, dass man von einem Mangel an Krimispannung bis zum Schluss nichts mehr spürt.

Eine Rezension von Ferdinand Quante.

Literaturangaben:
Castle Freeman: Herren der Lage.
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Hanser Verlag, 182 Seiten, 20 Euro

Stand: 06.08.2021, 07:35