"Guldenberg" von Christoph Hein

Buchcover: "Guldenberg" von Christoph Hein

Lesefrüchte

"Guldenberg" von Christoph Hein

Guldenberg ist ein fiktiver Ort in Ostdeutschland. Die unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, die dort in das schon lange leerstehende Seglerheim gezogen sind, polarisieren die Einheimischen. Mit seinem nüchternen, sachlichen Schreibstil erweist sich Christoph Hein erneut als wichtiger Chronist unserer Gesellschaft.

Auf Rosen gebettet ist Guldenberg nicht – der Haushalt der Kleinstadt ist mehr als ausgeschöpft, mehrere Unternehmer sind pleite gegangen oder ihnen droht die Insolvenz. Die jugendlichen Geflüchteten, die jetzt im alten Seglerheim wohnen, kommen da für viele als willkommener Blitzableiter. Nur einige Helferinnen, der Pfarrer und der Bürgermeister treten dem Hass entgegen.

Andere Stadtratsmitglieder wollen die Chance nutzen und versuchen, die Vorurteile für ihre Machtambitionen zu nutzen. Dabei präsentieren sie sich als Sprachrohr der Einheimischen. Ungeschminkt beschreibt Christoph Hein, der im Haushalt eines Pfarrers in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, wie die Jugendlichen in der Unterkunft zu Sündenböcken und zum Ventil für die angestaute Frustration der Einheimischen werden – unterstützt von nur wenigen, für die Menschenrechte und Empathie nicht an der Stadtgrenze enden.

Ein durchdachtes, spannend geschriebenes und vielschichtiges Porträt einer leider wohl nicht untypischen deutschen Kleinstadt.

Eine Rezension von Gerhard Klas

Literaturangaben:
Christoph Hein: Guldenberg
Suhrkamp Verlag, 284 Seiten, 23 Euro

Stand: 07.05.2021, 15:33