"Gewaltkette" von Anita Nair

Buchcover: "Gewaltkette" von Anita Nair

Lesefrüchte

"Gewaltkette" von Anita Nair

Chaos, Korruption und gnadenlose Ausbeutung sind Alltag in Bangalore. Die Autorin Anita Nair lebt selbst in der südindischen Metropole. Mit scharfem Blick entwickelt sie die Charaktere in ihrem Krimi und taucht tief ein in die wohl widerlichste Form des Menschenhandels: Die Kinderprostitution.

Die indische Presse nennt die Schriftstellerin Anita Nair die "Nummer 1" in Indiens Pulp-Fiction-Szene.

Inspektor Gowda, ihr Hauptprotagonist, kommt viel herum in Bangalore, dieser südindischen Metropole, die aus allen Nähten platzt: Mit seinem Motorrad, einer röhrenden Royal Enfield, rast er umher zwischen Slums, Arbeiterhäusern, Bordellen, der heruntergekommen Polizeistation, den hermetisch abgeriegelten Luxussiedlungen der Reichen, seiner Geliebten und seiner Ehefrau.

Der Mord an einem Anwalt und die Entführung eines Kindes sind die beiden miteinander verwobenen Fälle, die sich zu einem spannenden und düsteren Porträt der indischen IT-Metropole verdichten. Anita Nair hat einen verschachtelten Kriminalroman geschrieben, den ganz besonders seine Charaktere – und Milieubeschreibungen zu einer lesenswerten Lektüre machen.

Wie im richtigen Leben sind die Drahtzieher und großen Profiteure des Verbrechens in Spitzenpositionen der Wirtschaft und Politik zu finden.

Eine Rezension von Gerhard Klas

Literaturangaben:
Anita Nair: Gewaltkette
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn
Argument Verlag, 352 Seiten, 19 Euro

Stand: 11.01.2018, 13:25