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"Gestapelte Frauen" von Patricia Melo

Buchcover: "Gestapelte Frauen" von Patricia Melo

Lesefrüchte

"Gestapelte Frauen" von Patricia Melo

Eine junge Strafverteidigerin untersucht die sich häufenden Frauenmorde in der brasilianischen Urwaldprovinz Acre. Ein lebensgefährlicher Job, wie sich herausstellt. Und eine Konfrontation mit ihren eigenen Dämonen.

Die namenlose Ich-Erzählerin erhält von ihrer Anwaltskanzlei in São Paulo den Auftrag, für eine Studie über Frauenmorde in den abgelegenen brasilianischen Bundesstaat Acre zu reisen. Die Strafverteidigerin soll dokumentieren, ob den vielen dort ermordeten Frauen zumindest seitens der Justiz Gerechtigkeit widerfährt.

Patricia Melos spannender Roman fußt auf Tatsachen: In Brasilien werden jedes Jahr tausende von Frauen ermordet und oft gehen die Täter straffrei aus. Die Reise kommt der jungen Anwältin gerade Recht, denn so hat sie einen Grund, ihrem Freund aus dem Weg zu gehen: Der hat sie nämlich geohrfeigt und übel beleidigt. Und auf prügelnde Männer reagiert sie allergisch: Ihr Vater hat, als sie gerade einmal vier Jahre alt war, ihre Mutter erschlagen. Sie war dabei, kann sich aber an nichts erinnern.

Die grausame Ermordung eines fünfzehnjährigen indigenen Mädchens und der Freispruch ihrer drei reichen, weißen Peiniger lässt der Strafverteidigerin keine Ruhe. Gemeinsam mit der zuständigen Staatsanwältin und einer Journalistin versucht sie, doch noch Gerechtigkeit für die Ermordete zu erreichen – und riskiert ihr Leben.

Eine Reise in die Welt der Indigenen bringt schließlich Licht in den Fall. Und die junge Frau beginnt, sich den Traumata ihrer Vergangenheit zu stellen.

Eine Rezension von Eva Karnofsky

Literaturangaben:
Patricia Melo: Gestapelte Frauen
Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita
Unionsverlag, 252 Seiten, 22 Euro

Stand: 09.04.2021, 13:11