"Elijas Lied" von Amanda Lasker-Berlin

Buchcover: "Elijas Lied" von Amanda Lasker-Berlin

Lesefrüchte

"Elijas Lied" von Amanda Lasker-Berlin

Die Tageswanderung hinauf auf den Gipfel soll die drei ungleichen Schwestern einander wieder näher bringen. Eine Idee ausgerechnet von Loth, der Jüngsten, der Aggressiven: Die gleiche Wanderung noch einmal wiederholen, die sie damals als Kinder mit den Eltern gemacht haben.

Sie tragen alttestamentarische Namen: Elija, Noa, Loth, wobei Loth aus dem Rahmen fällt: ein männlicher Name, der an Lot erinnert. Lot, der sich als einziger in der Stadt Sodom traut, Fremde aufzunehmen. Dabei ist die jüngste Schwester sein genaues Gegenteil. Sie verachtet nichts mehr als Fremde, zieht pöbelnd und randalierend durch die Straßen, weil sie das deutsche Blut in Gefahr sieht.

Noa, abgebrochene Studentin wie Loth, arbeitet in einer Kantine und schämt sich für die Schwester, traut sich aber nichts zu sagen. Und Elija? Sie, die mit dem Down-Syndrom zur Welt kam, ist von allen dreien die Glücklichste und die Erfolgreichste. In einem Laientheater glänzt sie in ihren Rollen.

Elija spürt die Gefahr, die von ihrer jüngsten Schwester ausgeht, aber sie hat keine Angst vor ihr. Sie ist von den Dreien am stärksten im Leben verankert und genießt jeden Augenblick im Hier und Jetzt.

Eine Rezension von Andrea Lieblang

Literaturangaben:
Amanda Lasker-Berlin: Elijas Lied
Frankfurter Verlagsanstalt, 256 Seiten, 22 Euro

Stand: 09.04.2020, 12:54