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"Ein Monat in Siena" von Hisham Matar

Buchcover: "Ein Monat in Siena" von Hisham Matar

Lesefrüchte

"Ein Monat in Siena" von Hisham Matar

Die Stadt der 17 Contraden, des alljährlichen Reiterturniers, des Palio. Hisham Matar reist in die toskanische Stadt Siena, um seine Trauer um seinen Vater zu verarbeiten. Die Kontemplation vor den Bildern der Sieneser Schule hilft ihm dabei.

1990 wurde Jaballa Matar, Hisham Matars Vater, in Kairo vom libyschen Geheimdienst entführt und ins berüchtigte Abu Salim Gefängnis in Tripoli gebracht. Seitdem fehlt jede Spur von ihm. Abwesenheit, hat Hisham Matar einmal geschrieben, sei "niemals ein leerer, passiver, sondern ein geschäftiger Ort, laut und beharrlich."

Der Verlust seines Vaters, die Unsicherheit darüber, was ihm als politischer Häftling zugestoßen sein mag, beschäftigt den Autor seit er sich dem Schreiben zugewandt hat. Vor vier Jahren erschienen das Buch: "Die Rückkehr", für das er mit dem Pulitzerpreis für Biographie und Autobiographie ausgezeichnet wurde. Kurz nachdem sein Vater verschwunden war, Matar war damals 19 Jahre alt, sah er die Bilder von Lorenzetti, Pistoletto und Giovanni di Paolo zum ersten Mal in der National Gallery in London.

Fünfundzwanzig Jahre später versucht er noch einmal in den Bildern Antworten zu suchen. Ein Büchlein voller nachdenklicher Passagen, wunderbarer Bilder und interessanter Alltagsbeobachtungen für Italienliebhaber – und bald wieder -reisende.

Eine Rezension von Katja Lückert

Literaturangaben:
Hisham Matar: Ein Monat in Siena
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
Luchterhand, 261 Seiten, 19.95 Euro

Stand: 11.06.2021, 16:17