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"Ein Mann mit vielen Talenten" Castle Freeman

Stand: 10.08.2022, 19:17 Uhr

Langdon Taft erhält eine delikate metaphysische Offerte. Ein Abgesandter der Hölle bietet ihm an, all seine Wünsche zu erfüllen. Der teuflische Preis ist altbekannt: rauschhaftes Glück gegen Seele.

Dabei glaubt der Teufel an ein leichtes Spiel. Ein planlos dahinlebender Rentner dürfte wohl rasch für Prasserei und Freuden aller Art zu haben sein. Doch Langdon Taft tickt anders. Statt es ordentlich krachen zu lassen, geht der eigenbrötlerische Mann den Weg des Wohltäters, hilft einem schwer erkrankten Kind und dessen mittellosen Eltern, bringt drei auf Krawall gebürstete Teenager zur Raison und nimmt den hochmütigen New Yorker Anwalt Jack Raptor, der das Haus eines unbescholtenen Mannes pfänden will, nach allen Regeln der teuflischen Kunst in die Mangel. Dr. Faust als hilfreicher Engel in einem abgelegenen Tal in Vermont – eine vergnügliche Geschichte, randvoll mit wundersamen Begebenheiten und astreinen Dialogen.

Castle Freeman ist ein cooler Humorist, sein Schreibstil so entspannt wie ein Stoiker in der Sommerfrische. Dass Langdon Taft sein versacktes Leben mittels praktizierter Humanität auf sinnvollen Kurs bringt und ausgerechnet der Teufel ihm dabei hilft, ist nur eine der Pointen des am Ende überraschend aufgelösten Romans. Der auch höllisch gut zeigt, wo Castle Freeman seinen Platz hat – in den oberen Rängen der amerikanischen Schriftstellerliga.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Castle Freeman: Ein Mann mit vielen Talenten
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Hanser, 175 Seiten, 22 Euro