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"Ein Herz mit neun Kammern" von Janice Pariat

Buchcover: "Ein Herz mit neun Kammern" von Janice Pariat

Lesefrüchte

"Ein Herz mit neun Kammern" von Janice Pariat

Neun Personen erinnern sich an eine Frau, die sie geliebt haben. Der Leser sucht mit ihnen nach der Person, die sie gekannt haben, wird aber wie sie nicht ganz fündig. Denn Liebe macht blind – auch blind für den geliebten Menschen.

Eigentlich klingt das Anliegen ganz herzig: "Wie wäre es, aus der Perspektive der Liebe auf die Welt zu sehen?" So beschreibt die junge indische Autorin Janice Pariat ihre Idee zu "Ein Herz mit neun Kammern".

Die zentrale Figur ihres zweiten Romans ist abwesend. Unter Kapitelnamen wie "Der Schlachter", "Die Bestatterin" oder "Der Florist" erzählen neun andere Figuren von ihren Erinnerungen an dieses überaus flüchtige "Du", an Beziehungen zu, Urlaubsliebeleien mit und heimliche Verliebtheiten in eine werdende Künstlerin mit biografischen Parallelen zur Autorin.

Pariat schreibt lebensnah. Ihre Erinnerungsepisoden sind aufs Wesentliche reduziert. In der Wiederholung des Spiels der Annäherung kristallisiert sich am Ende zumindest aber in Grundzügen eine Person heraus.

Ein gelungener Konzeptroman über die Tücken des Erinnerns und das, was man Liebe nennt – und einer, der einen in melancholischer Stimmung zurücklässt.

Eine Rezension von Fabian May

Literaturangaben:
Janice Pariat. Ein Herz mit neun Kammern
Aus dem Englischen von Malte F. Rauch
Secession Verlag, 192 Seiten, 20 Euro

Stand: 01.03.2019, 13:14