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"Ein anständiger Mensch" von Jan Christophersen

Lesefrüchte

"Ein anständiger Mensch" von Jan Christophersen

Philosoph Steen Friis gilt als "Anstandsonkel der Nation". Doch seit einigen Jahren wiederholt er nur die eigenen Phrasen. Bis ihn, seine Frau und ein befreundetes Pärchen ein "Unglück" ereilt. Eine Inselidylle wird für alle zum Alptraum.

Immer wenn der Philosoph und Intellektuelle Steen Friis an einem Buch schreibt, zieht er sich auf eine norwegische Insel in die Einsamkeit zurück. Dorthin laden er und seine Frau Frauke ein befreundetes Pärchen für ein gemeinsames Wochenende ein, Ute und Gero.

Gleich zwei Ereignisse werfen Friis an diesem Wochenende aus der Bahn. Eines davon: Zwischen den Paaren knistert es. Und dann fordert Friis’ Frau Frauke ein vor langer Zeit gemachtes Zugeständnis von ihm ein. Und das große Unglück, wie es Friis immer wieder unheilvoll heraufbeschwört und dafür sogar ein weißes Kaninchen und Falken als wiederkehrende Zeichen bemüht, ist am Ende eine künstlich aufgebauschte Dummheit, die vermutlich Friis selbst unterläuft und die zugegeben schlimme Konsequenzen für alle hat. Die Verantwortung will er jedoch nicht übernehmen. Er ist also am Ende nicht der "Anstandsonkel der Nation", wie Friis von einem Kollegen verächtlich genannt wird.

Jan Christophersens neuer Roman "Ein anständiger Mensch" nimmt unerwartete Wendungen: Hubschrauber, Pistole, Nierenspende und hübsche Naturbeschreibungen kommen zum Einsatz. Die Gedanken und Handlungen seiner um sich selbst drehenden Hauptfigur will man jedoch nicht länger als ein einziges Kapitel ertragen müssen.

Eine Rezension von Maja Fiedler

Literaturangaben:
Jan Christophersen: Ein anständiger Mensch
Mare Verlag, 348 Seiten, 24 Euro

Stand: 07.08.2019, 14:05