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"Die Verschwundenen" von Antonio Ortuño

Buchcover: "Die Verschwundenen" von Antonio Ortuño

Lesefrüchte

"Die Verschwundenen" von Antonio Ortuño

Aurelio Blanco geht für seinen Schwiegervater ins Gefängnis. Der hatte sich bei einem Bauprojekt verzockt und brauchte einen Sündenbock. Nach 15 Jahren kommt Blanco endlich frei. Für den Überraschungsbesuch bei seinem Schwiegervater besorgt er sich eine Waffe. Ob er abdrückt?

Warum wurde er nicht, wie versprochen, nach ein paar Jahren aus dem Gefängnis freigekauft? Und wo ist das viele Geld, das ihm versprochen wurde, damit er anstelle des Bauunternehmers Flores ins Gefängnis geht? Schließlich ist dieser Typ sein Schwiegervater

Antonio Ortuño lässt die Leser durch Aurelio Blancos Augen zunächst auf berührende Art und Weise miterleben, wie seltsam und fremd sich jemand in einer Welt fühlt, die er nach 15 Jahren das erste Mal wieder als freier Mensch betritt. Die Welt ist in diesem Falle die mexikanische Stadt Guadalajara. In lakonischem Stil und unaufgeregter Sprache zeichnet Ortuño seinen Anithelden zwar als fast schüchternen, aber doch zu allem entschlossenen Mann.

Was als Krimi beginnt, spinnt Ortuño weiter zu einem Familienroman. Im Hintergrund, quasi als Grundrauschen, tauchen dabei immer wieder die wahren Mächte auf, die das Schicksal in Mexiko bestimmen. Die Investoren, deren Geld aus den Drogengeschäften stammt, der Filz zwischen korrupter Politik und dem allmächtigen Kapital der Kartelle.

Mit "Die Verschwundenen" hat der Autor einen klugen und unterhaltsamen Roman über einen Antihelden geschrieben, der einem schnell ans Herz wächst.

Eine Rezension von Christoph Ohrem

Literaturangaben:
Antonio Ortuño: Die Verschwundenen
Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
Verlag Antje Kunstmann, 256 Seiten, 20 Euro

Stand: 14.06.2019, 12:14