"Die Stimmen des Abends" von Natalia Ginzburg

Buchcover: "Die Stimmen des Abends" von Natalia Ginzburg

Lesefrüchte

"Die Stimmen des Abends" von Natalia Ginzburg

Unter den Romanen und Erzählungen, die die italienischen Schriftstellerin Natalia Ginzburg nach dem 2. Weltkrieg veröffentliche, sind die 1961 erstmals erschienenen "Die Stimmen des Abends" ein Kleinod an Dichte und stilistischer Geschlossenheit.

Nie mehr lügen zu wollen war der Wahlspruch einer Gruppe von Autoren und Lektoren, die sich nach dem Ende des italienischen Faschismus in den 1950er Jahren im Turiner Verlag Einaudi versammelte.

Zu ihr gehörte auch Natalia Ginzburg, die Ehefrau des 1943 von der deutschen Gestapo ermordeten Verlags-Mitbegründers Leone Ginzburg. Brutale Ehrlichkeit war von vornherein auch das "Markenzeichen" der Schriftstellerin.

Schnörkellos, ohne psychologisierende Kommentare erzählt sie in ihrem 1961 erstmals erschienenen Roman "Die Stimmen des Abends" von der Unfähigkeit der italienischen Generation nach dem Ende des Faschismus, sich mitteilen, mit anderen in Beziehung treten zu können. Er ist nicht nur ein Dokument der hohen Ansprüche der italienischen Nachkriegsliteratur, sondern ein immer noch gültiges, ergreifendes Buch über das Verstummen und die Einsamkeit.

Eine Rezension von Peter Meisenberg

Literaturangaben:
Natalia Ginzburg. Die Stimmen des Abends
Aus dem Italienischen von Alice Vollenweider
Verlag Klaus Wagenbach, 2021
144 Seiten, 18 Euro

Stand: 10.09.2021, 12:06