Live hören
WDR 5 Hotline: 0221-56789 555

"Die Reichen zahlen spät" von Simon Raven

Buchcover: "Die Reichen zahlen spät" von Simon Raven

Lesefrüchte

"Die Reichen zahlen spät" von Simon Raven

Auf, auf zum Täuschen und Tricksen! Ein Deal soll eingestielt werden, und eine Reihe von Geschäftsleuten, Politikern und Journalisten zeigen dabei, was in ihnen steckt. Das ist selten edel, doch durchweg höchst unterhaltsam.

Es geht um Geld, um Erfolg, um Sex und die Ehre und allem voran um die Verwirrungen, die entstehen, nachdem der junge Jude Holbrook seinen Plan, das Wirtschaftsmagazin »Strix« zu kaufen, verkündet hat. Widerstreitende Interessen prallen aufeinander, der rücksichtslose Fiesling trifft auf den ruhmsüchtigen Einfaltspinsel, ein egoistischer Taktierer beißt sich an einem ehrbaren Mann die Zähne aus.

Ravens Humor ist dabei ätzend genug, um auch hinter der edlen Rechenschaffenheit eines Parlamentsabgeordneten die Aufgeblasenheit des mit einem goldenen Löffel im Mund geborenen Gentlemans erkennen zu lassen, wie Raven überhaupt Spaß daran hat, die Fassaden gesellschaftlicher Konvention abzuräumen und die teils lustige Vergeblichkeit der um Ansehen, Geld und Einfluss strampelnden Figuren zu demonstrieren.

So kühl und kalt deren Berechnungen und Bestrebungen, so beschwingt erzählt Raven davon. In kurzen wechselnden Szenen (Raven schrieb viel fürs Fernsehen und war an einem James-Bond-Drehbuch beteiligt) entsteht das Bild einer schaurig-komischen Schlangengrube in den wackligen Kulissen englischer Wohlanständigkeit, die in ihren Hinterzimmern kühnen Sexspielchen nicht abgeneigt ist.

Das bereits 1964 in England erschienene Buch, Teil einer zehnbändigen Romanreihe, liegt jetzt von Sabine Franke erstklassig übersetzt erstmals auf Deutsch vor und bietet ein erfreulich dynamisches Theater, das Simon Raven als menschliche Komödie englischen Stils brillant inszeniert.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Simon Raven: Die Reichen zahlen spät.
Aus dem Englischen von Sabine Franke.
Elfenbein Verlag, 2021.
263 Seiten, 22 Euro.

Stand: 03.12.2021, 11:46