Live hören
Jetzt läuft: Both Sides Now (Instrumental) von Dexys

"Die Inseln" von Amitav Gosh

Buchcover: "Die Inseln" von Amitav Gosh

Lesefrüchte

"Die Inseln" von Amitav Gosh

In der Literatur ist die Klimakrise ein absolutes Randphänomen. Ihr fehle es an der Fähigkeit zur Imagination – mitverursacht durch die modernen Gesellschaftssysteme, in denen wir leben, befand Amitav Gosh 2017 in seinem Essay "Die große Verblendung – Der Klimawandel als das Undenkbare“. Nun hat er in seinem neuen Roman "Die Inseln" den Versuch unternommen, diese Lücke zu füllen.

Der Roman "Die Inseln" spielt an Orten, an denen der Krieg zwischen Profit und Natur deutlich zu spüren ist: In dem immer wieder von Waldbränden heimgesuchten Kalifornien, in der versinkenden Kulturmetropole Venedig und in den Sundarbans, dem größten Mangrovenwald der Erde im Golf von Bengalen, bedroht durch den Anstieg des Meeresspiegels und zerstörerische Zyklone.

Der Ich-Erzähler und Buchhändler Dinanath Datta, der wie Amitav Gosh halb in Brooklyn, halb in Kolkata lebt, besucht diese Orte, wird Augenzeuge der apokalyptischen Zustände, trifft mutige Klimaflüchtlinge und besorgte Bildungsbürger. Dabei begibt sich Gosh auf die Spuren des magischen Realismus: Göttermythen und wissenschaftliche Erkenntnisse verbindet er zu einer Geschichte über global vernetzte Individuen, die auf eine Katastrophe zusteuern.

Eine Rezension von Gerhard Klas

Literaturangaben:
Amitav Gosh: Die Inseln
Aus dem Englischen von Barbara Heller und Rudolf Hermstein
Blessing Verlag, 368 Seiten, 22 Euro

Stand: 21.02.2020, 14:28