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"Der Würfel" von Bijan Moini

Buchcover: "Der Würfel" von Bijan Moini

Lesefrüchte

"Der Würfel" von Bijan Moini

In seinem dystopischen Roman "Der Würfel" konstruiert Bijan Moini eine Welt voller Überwachung und Kontrolle. Der Verlust von Freiheit wird darin belohnt mit sozialem Aufstieg.

An diesem Punkt steht Taso Doff, der Protagonist in Bijan Moinis dystopischem Zukunftsroman "Der Würfel" eigentlich schon nicht mehr. Er hat sich für Freiheit entschieden - und damit gegen Sicherheit, soziale Dazugehörigkeit und für Einsamkeit. Still lebt er nach seiner Überzeugung und möchte einfach nicht auffallen. Am liebsten würde er dazu gehören, aber die Zugeständnisse, die er dafür machen müsste, gehen gegen seine Überzeugung. Denn das Berlin, in dem der Endzwanzigjährige lebt, steht - wie der Rest Deutschlands - unter der Kontrolle des Würfels.

Ein virtueller Beobachter, Staatslenker, Datensammler und Entscheider, der alle Fäden zusammen hält. Die Bevölkerung geht nur noch mit Kontaktlinsen durch die Welt, die einen stetigen Datenstrom über alles liefern, was der Mensch sieht, wofür er sich interessiert. Die Menschen tragen Ohrimplantate, die alles auswerten. Diese Smart-Hardware filtert aber auch alles raus, was der Träger nicht hören oder sehen soll. Liefert ihm die Bilder, die der Würfel liefert - und sei es nur ein strahlend blauer Himmel, wenn in Wirklichkeit ein Sturm aufzieht.

Kritisch betrachtet wird die Allmacht des Würfels nur noch von wenigen. Die Offliner, wie sie verächtlich genannt werden, sind Sonderlinge, rückschrittlich im Denken und von der Gesellschaft gerade noch toleriert. Was aus unserer Sicht die Selbstverständlichkeit von freiem Willen und Selbstbestimmung wäre, ist für die Menschen in Bijan Moinis Roman Verschrobenheit, asoziales Verhalten und Rückschrittlichkeit. Der Würfel sorgt doch für alles! Er regelt die Geschicke eines jeden einzelnen so, wie es die gesammelten Daten für ihn errechnet haben.

Abgesehen von einer etwas vorhersehbaren Liebesgeschichte ist das Buch spannend, Ideenreich und bringt den Leser zum Nachdenken. Wie viele gute Dystopien deswegen, weil sie schon in Teilen Wirklichkeit sind.

Eine Rezension von Florian Jung

Literaturangaben:
Bijan Moini: Der Würfel
Atrium Verlag, 400 Seiten, 22,70 Euro

Stand: 15.03.2019, 11:16