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Buchcover: "Der verschwundene Mond" von Zoe Jenny

Lesefrüchte

"Der verschwundene Mond" von Zoe Jenny

Stand: 13.05.2022, 12:04 Uhr

Marty, die Hauptperson in Zoe Jennys Roman, ist Leiter des Astronomischen Instituts in Wien: ein Wissenschaftler durch und durch, der über die Schwarzen Löcher im Universum forscht. Eher beiläufig ist Marty auch Ehemann und Vater der siebzehnjährigen Stella.

Er wundert sich über Stellas aggressives Verhalten, denkt aber keinen Moment weiter, als er zufällig in ihrem Zimmer eine Männerperücke findet. Auch die plötzliche Abreise seiner Frau Marlene zu ihrer geschiedenen Freundin nach Bali nimmt er schweigend hin.

Auf einem Flug lernt Marty zufällig den Psychoanalytiker und Hobbyastronom Dr. Steindorfer kennen. Der bedrängt Marty geradezu, sein neues Manuskript über das menschliche Bewusstsein zu lesen. Widerwillig liest Marty den Text, der ihn zutiefst verstört.

Während im ersten Teil des Romans die vielen astrophysikalischen Details zunehmend ermüden, nimmt der zweite Teil deutlich an Fahrt auf: Hier beschreibt Zoe Jenny in einer knappen, fast analytischen Sprache, wie der Forscher der Schwarzen Löcher immer mehr in sein eigenes schwarzes (Lebens-)loch fällt.

Eine Rezension von Andrea Lieblang.

Literaturangaben:
Zoe Jenny: Der verschwundene Mond
Frankfurter Verlagsanstalt, 2022
127 Seiten, 20 Euro