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"Der Ursprung der Welt" von Ulrich Tukur

Buchcover: "Der Ursprung der Welt" von Ulrich Tukur

Lesefrüchte

"Der Ursprung der Welt" von Ulrich Tukur

Geschichte kann sich wiederholen, wenn die gesellschaftliche Wachsamkeit nachlässt. Ulrich Tukurs neuer Roman "Der Ursprung der Welt" versteht sich als eine kraftvolle Mahnung zur Erinnerung und bietet darüber hinaus ein reichhaltiges und intelligentes Lesevergnügen.

Wir befinden uns in Frankreich im Jahr 2033. Als Paul Goullet auf ein Foto aus den 1940er Jahren stößt, das seinen Doppelgänger zeigt, beginnt eine abenteuerliche Spurensuche. Mehr und mehr erkennt der Protagonist in der porträtierten Person ein möderisches Alter Ego, einen vermeintlichen Schleuser, der zur Nazi-Zeit die Not der Verfolgten für eigene Zwecke auszunutzen wusste.

Tukur führt uns in zwei, sich allmählich überlagernden Erzählsträngen nicht nur in die Tiefen einer unbekannten Familiengeschichte, sondern spiegelt überdies im Bild eines dystopischen Überwachungsstaats die Schrecken des deutschen Faschismus. Keine Frage: Der Autor, einem größeren Publikum als Kommissar der kunstvollen Frankfurter Tatort-Reihe bekannt geworden, treibt mit seinem zweiten Werk ein komplexes Spiel aus Realität und Fiktion. Er springt zwischen den Zeiten und entfaltet seine Geschichte geradezu als Film. Bildreich vermischen sich in ihm Genres wie Thriller und die Sci-Fi-Zeitreise.

Neben der Spannung und einem furiosen Plot kommt zudem die Kulturkritik nicht zu kurz, die genauso Schlaglichter auf den technologischen Fortschritt, die russische Expansionspläne wie auch den Rechtspopulismus wirft. Entstanden ist ein Roman voller Überraschungen und vor allem Welthaltigkeit.

Eine Rezension von Björn Hayer

Literaturangaben:
Ulrich Tukur: Der Ursprung der Welt
S. Fischer Verlag, 304 Seiten, 22 Euro

Stand: 31.10.2019, 11:34