"Der Name seiner Mutter" von Roberto Camurri

Buchcover: "Der Name seiner Mutter" von Roberto Camurri

Lesefrüchte

"Der Name seiner Mutter" von Roberto Camurri

Pietro ist ein Schrei-Baby. Sein Vater Ettore kümmert sich um ihn. Seine Mutter ist überfordert, abweisend, aggressiv. Sie verlässt die beiden ohne ein Wort, als Pietro ein halbes Jahr alt ist.

Niemand in Fabbrico, einem öden Dorf in der Po-Ebene, weiß, wohin sie gegangen ist. Niemand nimmt je wieder ihren Namen in den Mund: Zwischen Vater und Sohn liegt eine Kluft des bleiernen Schweigens. Als Pietro älter wird, will er möglichst schnell aus dieser Öde weg.

Zusammen mit Miriam zieht er in eine große Stadt, um zu studieren. Doch glücklich sind die beiden nicht. Miriam ist unnahbar, stolz, launisch – ein Spiegelbild seiner Mutter. Als sie schwanger wird, fragt sich Pietro, was ihn überhaupt an Miriam bindet.

Camurri ist ein großer Roman gelungen: Ohne Sentimentalität beschreibt er das Schweigen, Verschweigen, Totschweigen und die Folgen dieses Nicht-Redens für Pietro. Und Camurri ist ein Meister des Weglassens: Wir erfahren nicht, warum die Mutter gegangen ist, wo sie lebt. Aber wir erfahren ihren Namen – im allerletzten Satz des Romans.

Eine Rezension von Andrea Lieblang

Literaturangaben:
Roberto Camurri: Der Name seiner Mutter
Verlag Antje Kunstmann, 207 Seiten, 20 Euro

Stand: 12.03.2021, 13:20