"Der Jaeger und sein Meister" von Rocko Schamoni

Buchcover: "Der Jaeger und sein Meister" von Rocko Schamoni

Lesefrüchte

"Der Jaeger und sein Meister" von Rocko Schamoni

Ein Porträt des großen Humoristen Heino Jaeger als junger Mann. Rocko Schamoni schaut behutsam und respektvoll auf einen Künstler, der ihm vor allem in seiner Sperrigkeit gegenüber dem Kunstbetrieb vorbildlich ist.

Ende der 60er Jahre war Heino Jaeger durch eine Reihe von Radiosendungen bekannt geworden, um bald fast vollständig in Vergessenheit zu geraten. Mit CDs wie "Alkoholprobleme in Dänemark" und "Sie brauchen gar nicht so zu gucken" ist Jaeger mittlerweile wiederauferstanden und ragt für einige wenige seither als Leuchtturm höchster Komik mit Parodien von Alltagsstimmen und Alltagsszenen wie der einer am Telefon querbeet plaudernden Frau, die den versuchten Selbstmord einer Nachbarin und den Austausch von Wohnzimmergardinen in einem Atemzug zusammenbringt.

Alles in allem ein oft am Rande des Wahnsinns tanzendes Worttheater. Der Schriftsteller Eckhard Henscheid nennt Jaeger ein Jahrtausendgenie, für Olli Dittrich ist er der unerreichte Meister seines Fachs, ein unzeitgemäßer Humorist, dessen Kunst so randständig war wie sein Leben in den späten 60er, frühen 70er Jahren.

Leise und liebevoll erzählt Schamoni in seinem weitgehend lebensauthentischen Roman von Jaegers Ausflügen: den Fahrten in die DDR, die Jaeger schätzte, weil sie so schön grau und rückständig war, und von Treffen mit skurrilen Outsidern, Heimathirsche genannt. Zentrum der Geschichte ist freilich Jaegers schüchterne Freundschaft mit Hambuger Kiezgrößen, dem Boxer Norbert Grupe sowie einem Bordellbetreiber, die beide früh Jaegers außerordentliches Talent erkannten, teils auch förderten.

Und so liefert dieser luftige Roman auch ein Stimmungsbild jener längst untergegangenen halbseidenen Szene, vor allem aber ein liebevolles Porträt des abseitigen, kleinen Heino Jaeger, der als Künstler ein Großer war.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Rocko Schamoni: Der Jaeger und sein Meister
hanserblau, 2021
283 Seiten, 22 Euro

Stand: 17.09.2021, 11:44