Buchcover: "Das Mädchen, das man ruft" von Tanguy Viel

Lesefrüchte

"Das Mädchen, das man ruft" von Tanguy Viel

Stand: 20.05.2022, 15:20 Uhr

Die 20-jährige Laura sucht eine Wohnung. Da ist es gut, dass ihr Vater den Bürgermeister kennt. – In einer beklemmenden Geschichte erzählt Tanguy Viel von einem Missbrauchsfall in der bretonischen Provinz.

Warum lässt eine junge Frau viel zu lange zu, von einem mächtigen Mann missbraucht zu werden, so, dass für Außenstehende der Eindruck von Freiwilligkeit entsteht? Über diese Frage hat Tanguy Viel eine ebenso differenzierte wie spannende Geschichte geschrieben.

Mögliche Antworten sucht und findet der Autor nicht auf psychologischer Ebene, sondern im von Männerbünden dominierten Machtgefüge einer Provinzstadt. Mit starken Metaphern und stilistischer Brillanz – grandios übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel – führt Tanguy Viel die Leser in die Abgründe seiner bretonischen Heimat ein.

Eine Rezension von Peter Meisenberg

Literaturangaben:
Tanguy Viel: Das Mädchen, das man ruft.
Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt Henkel.
Wagenbach-Verlag, 2022.
134 Seiten, 20 Euro.