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"Das Los der Schmetterlinge" von Nayantara Sahgal

Buchcover: "Das Los der Schmetterlinge" von Nayantara Sahgal

Lesefrüchte

"Das Los der Schmetterlinge" von Nayantara Sahgal

Nayantara Sahgal ist bekannt für ihre Romane über die Entstehung des modernen Indien. In ihrem jüngsten Roman "Das Los der Schmetterlinge" beschreibt die 94 jährige Journalistin und Schriftstellerin nun den Niedergang der größten Demokratie. Ihre Romanfiguren sehen sich konfrontiert mit Frauenfeindlichkeit, Islamophobie und rechtsextremer Gewalt. Ein Albtraum.

2015 gab die zeitlebens politisch engagierte Nayantara Sahgal ihren Sahitya-Akademie-Preis, die höchste literarische Auszeichnung in Indien, aus Protest gegen die hindunationalistische Regierung zurück.

Nun hat sie den beklemmenden Roman "Das Los der Schmetterlinge" geschrieben. Hier werden Muslime in Lager getrieben, ihre Leichen über die Straße verstreut und Frauen von einem marodierenden Mob vergewaltigt. Diese Gräueltaten bettet sie ein in den Lauf der Weltgeschichte und reflektiert dabei die Rolle der geistig und materiell Privilegierten in einer Gesellschaft. "Erinnerung ist für einen Überlebenden nutzlos, wenn er sie nicht mit jemandem teilen kann", so ein Monolog.

Eine intellektuell und literarisch anspruchsvolle Lektüre, die zum Hinsehen auffordert, nicht nur in Indien, sondern überall dort, wo Menschen ihrer Rechte beraubt werden.

Eine Rezension von Gerhard Klas

Literaturangaben:
Nayantara Sahgal: Das Los der Schmetterlinge
Aus dem Englischen von Gerhard Bierwirth
Draupadi Verlag, 114 Seiten ,12 Euro

Stand: 04.06.2021, 13:39