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"Das Jahresbankett der Totengräber" von Mathias Enard

Buchcover: "Das Jahresbankett der Totengräber" von Mathias Enard

Lesefrüchte

"Das Jahresbankett der Totengräber" von Mathias Enard

Mathias Enard ist für seine fundamentalen, sprachgewaltigen Werke international bekannt. In seinem neuen Roman entführt er in die Sumpflandschaft des Département Deux-Sèvres, einer Region im Westen Frankreichs, in der er selbst groß geworden ist.

Der junge Ethnologe David Mazon hat ein ehrgeiziges Projekt: Seine Doktorarbeit soll als wegweisendes anthropologisches Werk über das französische Landleben in die Geschichte eingehen. Um Feldforschungen zu betreiben, mietet er sich auf einem Bauernhof ein, in La Pierre-Saint-Christophe, einem kleinen Dorf im Westen des Landes. Sein Untersuchungsgegenstand: Die Sitten und Gebräuche der einheimischen Bevölkerung im 21. Jahrhundert.

Der Bürgermeister und Totengräber der Gegend führt Mazon in die Dorfgemeinschaft ein. Schon bald ziehen ihn Land und Leute in den Bann, die Wissenschaft gerät in Vergessenheit. Wie im Rausch erzählt Mathias Enard von den Geschichten der Landbevölkerung, geht gar zurück bis zu den Kreuzzügen. Er verbindet existentielle Fragen mit denen des Alltags und taucht tief in die Kultur- und Literaturgeschichte Frankreichs ein.

Die schier zahllosen Geschichten sind ermüdend detailreich und eng miteinander verbunden, einzelne treten hervor, sehr viele andere gehen unter. Manchmal gelingt das Dranbleiben, dann geraten sogar die wichtigen Dinge in den Fokus: Natur und Klima, Leben und Tod. Was sein fiktiver Wissenschaftler nicht schafft, das gelingt dem Schriftsteller Mathias Enard: Land und Leute in diesem Gefüge auszumachen.

Eine Rezension von Elisabeth Luft

Literaturangaben:
Mathias Enard: Das Jahresbankett der Totengräber
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller Hanser Berlin, 480 Seiten, 26 Euro

Stand: 09.07.2021, 10:21