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"Das andere Amsterdam" von Dato Turaschwili

Buchcover: Dato Turaschwili: "Das andere Amsterdam"

Lesefrüchte

"Das andere Amsterdam" von Dato Turaschwili

Dato Turaschwilis "Das andere Amsterdam" lebt von poetischen Randbemerkungen. Vor dem Hintergrund des Georgieraufstands auf der Insel Texel am Ende des 2. Weltkriegs macht sich der Erzähler auf die Suche nach seinem vielleicht verliebten Großvater. Die Lektüre macht Spaß.

Melenty Maschulia, der Großvater des Icherzählers, geiet während des Zweiten Weltkriegs in deutsche Kriegsgefangenschaft. Die Deutschen brachten ihn auf die niederländische Nordseeinsel Texel, wo er helfen musste, den Westwall zu befestigen.

Kurz vor Kriegsende kam es dort zum Aufstand, an dem auch Maschulia teilnahm. Wie die meisten der nach Hause kehrenden Kriegsgefangenen war auch für ihn das Martyrium nicht zu Ende – Stalin ließ sie festnehmen und in die Straflager deportieren. 11 Jahre verbrachte er dort, bis er nach Hause zurückkehren konnte.

Nur: Seine Frau glaubte es ihm nicht. Sie war der Meinung, dass er die 11 Jahre nach dem Krieg von einer Holländerin versteckt turtelnd in Amsterdam verbracht hatte und verfluchte ihn.

Der Ich-Erzähler macht sich in Amsterdam auf die Suche nach Spuren seines Großvaters. War der nun verbannt und verflucht oder verliebt und verflucht? Weit kommt er nicht, zunächst bleibt er fasziniert in Amsterdam hängen; nach Texel, wo es Spuren des Großvaters geben könnte, reist er vorerst nicht, jedoch nimmt er E-Mail-Kontakt zu einer Georgierin auf, die auf Texel lebt.

Er verliert sich zwischen Amsterdam, der Sowjetunion, Georgien, der Geschichte, der Gegenwart und dem Flirt mit einer Frau, die er nur per E-Mail kennt. Fährt er oder nicht? David Turaschwili ist ein Autor, der auch über die Grenzen Georgiens hinaus etwas zu erzählen hat. Die Lektüre macht Spaß.

Eine Rezension von Thomas Franke

Literaturangaben:
Dato Turaschwili: Das andere Amsterdam
Aus dem Georgischen von Katja Wolters
Weidle Verlag, 256 Seiten, 23 Euro

Stand: 23.07.2021, 12:50