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"Apoll Besobrasow" von Boris Poplawski

Buchcover: "Apoll Besobrasow" von Boris Poplawski

Lesefrüchte

"Apoll Besobrasow" von Boris Poplawski

Ein poetisch-schwebender Roman aus der russischen Diaspora im Paris der 20er Jahre. Junge Heimatlose balancieren nah am Abgrund und krallen sich umso leidenschaftlicher ans Leben.

Eigentlich liest sich Boris Poplawskis Biografie schon wie ein Roman: Der 1903 geborene Autor musste mit seinem Vater vor der Revolution fliehen und landete über Konstantinopel im Paris der 20er Jahre. Er schrieb Gedichte sowie Buch- und Kunstkritiken, fasste aber nie Fuß in der Pariser Gesellschaft. Boris Poplawski litt an Depressionen und experimentierte mit Drogen. Gerade einmal 32jährig starb er 1935 an einer Überdosis.

1932 war in Exilzeitschriften sein Roman "Apoll Besobrasow" erschienen. Der Titelheld bildet das Zentrum einer kleinen Truppe von russischen Freunden, die nah am Abgrund balancieren und sich umso leidenschaftlicher am Leben festhalten.

Sie leben in fensterlosen, feuchten Unterkünften, erkunden ihr Seelenleiden, lassen sich traumwandlerisch durch die Straßen von Paris treiben, feiern ekstatische Feste und philosophieren über das Dasein. Es passiert nicht viel in diesem Roman, im Wesentlichen dreht er sich um Eindrücke und Empfindungen. Das Leben, heißt es an einer Stelle, besteht aus Atmosphären. Das ist auch das Credo dieses Ausnahmeromans.

"Apoll Besobrasow" ist absolut betörend in seiner poetischen Sprache, er ist amüsant in seinem ausgefuchsten Humor und spannend in seiner psychologischen Eigenwilligkeit.

Eine Rezension von Christine Hamel

Literaturangaben:
Boris Poplawski: Apoll Besobrasow
Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Olga Radetzkaja
Guggolz Verlag, 299 Seiten, 24 Euro

Stand: 05.07.2019, 13:34