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Buchcover: "Sturmrot" von Tove Alsterdal

"Sturmrot" von Tove Alsterdal

Stand: 03.08.2022, 09:12 Uhr

Niemand bewirbt sich freiwillig auf den Polizeiposten in Kramfors. Vor Jahren ist dort mal ein Mädchen verschwunden und ein Vierzehnjähriger hatte dessen Ermordung gestanden. Seitdem herrscht Ruhe.

Auch Ermittlerin Eira Sjödin wäre lieber in Stockholm geblieben, aber sie muss ihre demente Mutter versorgen. Doch dann findet ausgerechnet der Täter von damals seinen Vater tot auf. Erstochen. Ob Nachbarn, Kollegen oder Freunde – für alle in der Gegend ist sonnenklar, dass nur Olof Hagström seinen Vater auf dem Gewissen haben kann. Warum sonst ist er vom Tatort weggelaufen, als die Polizei kam? Nur Eira bleiben Zweifel. Schließlich hat man die Leiche des Mädchens damals nie gefunden. Und Olof wurde nur verurteilt, weil er ein Geständnis abgelegt hatte.

Tove Alsterdal siedelt ihren Krimi in einer gottverlassenen Gegend Nordschwedens an, die bis Mitte des vorigen Jahrhunderts Zentrum des Holzhandels war und nun von Industriebrachen und Langeweile geprägt ist. Jeder kennt hier jeden, fast jeder hat etwas zu verbergen und niemand ist wirklich an der Wahrheit interessiert. Dass sie selbst von hier stammt, erleichtert Eiras Ermittlungen nicht. Im Gegenteil. Sie stößt auf ein Dickicht von Vorurteilen und Vorverurteilungen. Doch die taffe Einzelgängerin Eira bleibt stur.

"Sturmrot" vermittelt in guter Nordic-Noir-Manier eine dichte Atmosphäre des Misstrauens und des gegenseitigen Belauerns, die für Beklemmung sorgt. Die Leserschaft tappt wie Eira sehr lange im Dunkeln. Die Lösung kommt schließlich unerwartet, aber schlüssig. Tove Alsterdal hat zwei weitere Krimis um Ermittlerin Eira Sjödin angekündigt – man darf auf sie gespannt sein.

Literaturangaben:
Tove Alsterdal: Sturmrot
Aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Rowohlt Polaris, 480 Seiten, 17 Euro