"Stille Nacht in der Provence" von Cay Rademacher

Buchcover: "Stille Nacht in der Provence" von Cay Rademacher

Krimicheck

"Stille Nacht in der Provence" von Cay Rademacher

Eigentlich schneit es nicht um diese Jahreszeit in Südfrankreich und selten werden in kleinen malerischen Dörfern Skelette gefunden - schon gar nicht zu Weihnachten. Ein Ehepaar in der Krise wird im Urlaub unfreiwillig zum Ermittlerduo.

Es hätte so gemütlich werden können in Miramas-le-Vieux. Nachdem der eheliche Frost zwischen dem Gymnasiallehrer Andreas und der Journalistin Nicola ein wenig nachlässt, wollen die beiden die Vorweihnachtstage in dem mittelalterlichen Dorf in der Provence genießen.

Die pittoresken Häuser, die engen Gassen, der für diese Jahreszeit ungewöhnliche Schnee und das gemütlich wärmende Kaminfeuer im Haus von Andreas Kollegen, welcher ihnen sein Feriendomizil über die Feiertage überlassen hat. Nicola bereitet sogar die "Treize desserts" vor, die traditionellen dreizehn Nachspeisen, die man sich in der Provence am Weihnachtsabend zu reichen pflegt. Soweit die "Cozy crime"-Elemente des Buchs.

Doch es schneit ungewöhnlich heftig und durch die hohe Schneelast stürzt ein Kellergewölbe auf dem Grundstück ein. Hier findet Andreas in einem Sarg einen Toten in fortgeschrittenem Verwesungszustand. Kurz darauf sind Sarg und Leiche verschwunden. Und tauchen - so viel sei verraten - erst 200 Seiten später wieder auf.

Herzerwärmend wie die Recherchen an dem ungewöhnlichen Fall das Ehepaar in der Krise wieder zusammen schweißen. Unterstützung bekommen sie von einem abgehalfterten und nicht unbedingt vertrauen erweckenden Dorfpolizisten.

Warum sich der gestresste Lehrer und die wegen ihrer Kündigung deprimierte Journalistin, im Urlaub wie zwei Aktionshelden aufspielen, ist nicht ganz schlüssig. Hier trägt Cay Rademacher vielleicht eine Spur zu dick auf. Ansonsten ist dieser Krimi eine angenehme "Heiße Schokolade-Lehnsessel-Lektüre" für die Weihnachtszeit - mit viel landeskundlichem Flair, in Zeiten in denen vermutlich kaum jemand verreisen wird.

Eine Rezension von Katja Lückert

Literaturangaben:
Cay Rademacher: Stille Nacht in der Provence
DuMont Buchverlag, 256 Seiten, 19 Euro

Stand: 06.11.2020, 13:43