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"Mord in Dingley Dell" von Reginald Hill

Buchcover: "Mord in Dingley Dell" von Reginald Hill

Krimicheck

"Mord in Dingley Dell" von Reginald Hill

Ganz im Stil von Charles Dickens mit zeitgenössischen Kostümen, heißem Punsch und opulenten Festessen lockt die Manor-Farm in Dingley Dell ihre Besucher zu einem exzeptionellen Weihnachtsfest. Doch nachdem ein Angestellter tot aufgefunden wird, beginnt die Stimmung zu kippen.

Der Literaturprofessor Oscar Boswell ist ein echter Dickens-Kenner, was er gern unter Beweis stellt. Dieses Weihnachten soll für die zahlenden Gäste auf der Manor-Farm in Dingley Dell nicht nur aus saisonalen Vergnügungen wie Punsch, heißen Maroni, Schlittschuhfahren und ausgiebigen Festessen bestehen. Es wird ein rauschendes Kostümfest im Stil von Charles Dickens geben.

Auch die junge Engländerin Arabella Allen hat zunächst Gefallen an der liebevoll ausgestalteten Szenerie, bis sie bemerkt, dass der Tod eines Bediensteten vertuscht werden soll. Einigermaßen merkwürdig ist zudem, dass an der Decke ihres Zimmers ein ausgeklügeltes Spionagesystem angebracht ist und nicht nur an der Decke ihres Zimmers…

Die ganze Pickwickier-Festivität dient offenbar als Staffage für die wenigen unbedarften Gäste. In Wirklichkeit treffen sich hier Geheimdienstmitarbeiter aus verschiedenen Ländern zu einer Konferenz und - etwa ab dem letzten Drittel des Romans - zu wüsten Schusswechseln.

Da es augenscheinlich keinen Detektiv, Kommissar oder sonstigen Ermittler gibt, braucht es eine Weile um festzustellen, wer hier überhaupt: "Die Guten" sind, und da sich dies auch immer wieder ändert, entwickelt sich dieses so muckelig weihnachtlich begonnene Buch immer mehr in Richtung Thriller.

Makaber wie der Weihnachtsschmaus weitergeführt wird, während das Haus voller Bewaffneter, Verletzter und Leichen ist. Wer nach dem Cover und den ersten Seiten einen englischen Detektivroman im Landhausstil erwartet hat, wird enttäuscht. Thrillerfans mögen ob der unerwarteten Wendung jubeln. Doch die Lage wird zunehmend unübersichtlich und gewalttätig –nichts für Zartbesaitete.

Eine Rezension von Katja Lückert

Literaturangaben:
Reginald Hill: Mord in Dingley Dell
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet
DuMont Buchverlag, 272 Seiten, 18 Euro

Stand: 11.12.2020, 14:01