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"Die Kosmetikerin" von Melba Escobar

Buchcover: "Die Kosmetikerin" von Melba Escobar

Krimicheck

"Die Kosmetikerin" von Melba Escobar

Normalerweise verspricht ein Schönheitssalon Ruhe und Entspannung. Es sei denn, man lebt in Bogotá: Melba Escobar zeigt in ihrem Krimi "Die Kosmetikerin", dass die Gewalt dort keine Ruhe-Oasen kennt.

In Melba Escobars Thriller "Die Kosmetikerin" ist die der Wirklichkeit abgeschaute Ohnmacht der Menschen gegenüber Gewalt und Ungerechtigkeit allgegenwärtig. Wer es beklemmend mag, wird bestens bedient. Mit der Skrupellosigkeit, mit der vermeintliche Ehrenmänner Leben zerstören, steigt im Übrigen auch die Spannung.

Erst wird Karen um ihre Ersparnisse gebracht, kurz darauf vergewaltigt. In ihrer Verzweiflung über den Verlust des Geldes, das für ihren kleinen Sohn bestimmt war, bietet sie sich nun nebenbei reichen Männern an. Ein Freier bringt sie dann schließlich mit einem grausamen Mord in Verbindung. Und da greift Ich-Erzählerin Claire ein: Sie findet heraus, dass Karen in die Fänge von Gangstern aus besten Kreisen und der großen Politik geraten ist. Bald wird auch sie bedroht. Als sie sich nicht mehr zu helfen weiß, veröffentlicht sie Karens Geschichte. Öffentlicher Druck ist in Kolumbien tatsächlich oft das einzige Mittel, um der Gerechtigkeit auf die Sprünge zu helfen.

Melba Escobar lässt ihre Protagonistin Claire voller Wut über die Ereignisse schreiben. Ihr Thriller "Die Kosmetikerin", in dem nur die Reichen und Mächtigen Rechte haben, zerrt an den Nerven. Das Schlimme daran: Was Karen im Roman zustößt, bildet kolumbianischen Alltag ab.

Eine Rezension von Eva Karnofsky

Literaturangaben:
Melba Escobar: Die Kosmetikerin
Aus dem Spanischen von Sybille Martin
Heyne Verlag, 320 Seiten, 9,99 Euro

Stand: 03.01.2020, 14:04