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"Die Durchlässigkeit der Zeit" von Leonardo Padura

Buchcover: "Die Durchlässigkeit der Zeit" von Leonardo Padura

Krimicheck

"Die Durchlässigkeit der Zeit" von Leonardo Padura

Leonardo Padura steht für solide Spannung mit literarischem Anspruch. Obendrein vermittelt er zuverlässig, wie es gerade um seine Heimat Kuba bestellt ist.

In "Die Durchlässigkeit der Zeit" treibt die Suche nach einer antiken Madonnenfigur den Ex-Polizisten Mario Conde in finstere Ecken, obwohl es im Paradies des tropischen Sozialismus offiziell gar keine finsteren Ecken gibt.

Das Familienerbstück wurde Condes altem Schulfreund Bobbie gestohlen. Als auch noch ein Mord geschieht, der mit dem Verschwinden der Madonna in Verbindung stehen könnte, und Bobbie in Verdacht gerät, kniet sich Conde erst recht in den Fall. Steckt ein skrupelloser Liebhaber des homosexuellen Bobbie dahinter?

In einem zweiten Erzählstrang zeichnet Padura die abenteuerliche Geschichte der Madonna nach, sie reicht bis ins Spanien des 15. Jahrhunderts. Selbst Wunder werden ihr nachgesagt, und ihr Wert geht in die Millionen. So ist es nicht erstaunlich, dass sich ausländische Kunstsammler um sie reißen. Und ihretwegen möglicherweise auch morden.

Ganz nebenbei erzählt der Krimi von der Unterdrückung der Homosexuellen auf Kuba, vom Ausverkauf der Kulturgüter, vom ewigen Frust der Menschen, weil das kommunistische Regime das Land immer mehr den Bach heruntergehen lässt. Doch es gibt auch etwas zum Schmunzeln: Mario Conde treibt nämlich ein großes Problem um - er wird sechzig.

Wer keinen Reißer sucht, sondern einen Krimi mit liebevoll gezeichneten Figuren und politischem Anspruch, wird "Die Durchlässigkeit der Zeit" verschlingen.

Eine Rezension von Eva Karnofsky

Literaturangaben:
Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit
Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein
Unionsverlag, 448 Seiten, 24 Euro

Stand: 15.03.2019, 11:03