Live hören
Jetzt läuft: Politik Kills von Manu Chao

"Der neunte Arm des Oktopus" von Dirk Rossmann

Buchcover: "Der neunte Arm des Oktopus" von Dirk Rossmann

Krimicheck

"Der neunte Arm des Oktopus" von Dirk Rossmann

Klimawandelromane sind ein großes Thema auf dem Buchmarkt. Diese "Climate Fiction" findet sich quer durch alle Gattungen. Ganz vorn mit dabei sind Clifi-Thriller. So einen hat auch Dirk Rossmann, Gründer der gleichnamigen Drogeriemarktkette, verfasst.

Die Großmächte, also die USA, China und Russland, tun sich zusammen, um mit vereinter Kraft den Klimawandel zu stoppen, üble Militärs und Geheimdienstler, die um ihre Pfründe fürchten, entwickeln einen sinistren Plan, um das zu vermeiden – so der Plot des Romans, grob zusammen gefasst.

"Der neunte Arm des Oktopu" ist ein multiperspektivischer und vieldimensionaler Klimawandelthriller, der souverän erzählt und geplottet ist – und der innerhalb dieses Plot-Rahmens durchaus eine spannende und facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Thema bietet.

Allerdings hat dieser Bestseller auch das "kleine" Problem, dass er mit einer allerletzten Wendung im Prinzip komplett abschmiert und so, von hinten gesehen, letztlich ziemlich fragwürdig anmutet: Der Autor sieht seine Geschichte als gedankliche Intervention, als Utopie gar; gemeint ist eine gemeinsame Initiative zur Rettung der Erde mit allen Mitteln inklusive Krieg. Europa spielt keine Rolle – Erwägungen über demokratische Prozesse auch nicht.

Klar, das ist eine uralte Grundsatzdiskussion, die um die Ökodiktatur letztlich, neu aufgefrischt und abgemischt. Das eine Utopie zu nennen, ist schon starker Tobak. Auf jeden Fall zeugt Dirk Rossmanns Klimawandelthriller von "unternehmerischem Denken": Machen, machen, machen.

Die Frage nach der Verantwortung solchen Denkens im Hinblick auf die Klimawandelfolgen bleibt allerdings ausgespart - und damit auch die nach den Konsequenzen, die daraus folgen müssten. Das Ergebnis wäre sicher eine ganz andere Geschichte gewesen: Eine, die die Möglichkeiten anders zu leben, auch anders durchdenkt.

Eine Rezension von Ulrich Noller

Literaturangaben:
Dirk Rossmann: Der neunte Arm des Oktopus
Lübbe, 396 Seiten, 20 Euro

Stand: 02.04.2021, 11:22