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"Jenny und Karl Marx - Eine Liebe in Briefen" von Annette Deeken und Beate Herfurth-Uber

Hörbuchcover: "Jenny und Karl Marx - Eine Liebe in Briefen" von Annette Deeken und Beate Herfurth-Uber

Hörbuch der Woche

"Jenny und Karl Marx - Eine Liebe in Briefen" von Annette Deeken und Beate Herfurth-Uber

Ein ungewöhnliches Audioprojekt, das nicht den Philosophen und seine Theorien porträtiert, sondern den Menschen dahinter, seine Gefühle und die Liebe seines Lebens.

"Es galt für ein Fest, einen Brief von Frau Marx zu bekommen", schwärmte Ende des 19. Jahrhunderts Jennys Schwiegersohn, und tatsächlich offenbart sich in den Briefen der wohl glühendsten Verehrerin von Karl Marx ein Reichtum an sprachlicher Fantasie und Finesse, der selbst in der Zeit der Romantik eher selten so ausgeprägt war. Und ihr "Karlchen", wie Jenny ihren Mann oft nannte, stand seiner Frau nur unbedeutend nach: Karl Marx beantwortete ihre Briefe nicht minder romantisch ausschmückend, voller Witz und mit ungewöhnlichen Exkursen in andere Sprachen.

Diesen Menschen, nicht den Philosophen und sein Werk, bringt das rundum gelungene Hörbuch näher, das der MultiSkript Verlag anlässlich des Marx-Jahres veröffentlicht hat. Der Verlag ist bekannt für sorgsam aufbereitete Neuerzählungen und journalistische Einordnungen von Klassikern, etwa für die Hörbiografie "Gotthold Ephraim Lessing – Dichter, Kritiker, Spieler", nominiert für den Deutschen Hörbuchpreis 2018.

Das neue Marx-Hörbuch zeigt Karl von eher unbekannten Seiten: als verliebten jungen Studenten und als Ehemann, der nach mehr als zwanzig Jahren Ehe immer noch leidenschaftliche Liebesbriefe an seine Frau verfasst, so als hätten sich beide gerade erst frisch verliebt. Das Hörbuch geht zurück auf ein Projekt von Studenten der Medienwissenschaft an der Universität Trier, die Karl Marx als Mensch beleuchteten und dafür in zahlreichen Archiven recherchierten. Mit Anne Moll als Jenny, Douglas Welbat als Karl und Peter Kaempfe als Erzähler traf MultiSkript die richtige Sprecherauswahl. Das zwölfseitige Booklet überrascht mit vielen Abbildungen historischer Dokumente, darunter der Geburtsurkunde von Karl Marx – unterschrieben 1818 vom stellvertretenden Trierer Bürgermeister Emmerich Grach, einem Vorfahr des heutigen TV-Moderators Günther Jauch.

Eine Rezension von René Wagner

Literaturangaben:
Annette Deeken und Beate Herfurth-Uber (Hrsg.): Jenny und Karl Marx. Eine Liebe in Briefen
Gelesen von Anne Moll, Douglas Welbat und Peter Kaempfe
Regie: Rainer Gussek
MultiSkript Verlag, 12,90 Euro

Stand: 11.05.2018, 14:00