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"Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

Hörbuchcover: "Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

Hörbuch der Woche

"Der Mann, der den Zügen nachsah" von Georges Simenon

Der "Maigret"-Autor Georges Simenon kann auch mit Kriminalromanen überzeugen, wenn er über einen anderen Helden schreibt. In "Der Mann, der den Zügen nachsah" besticht er durch Ironie und Stilsicherheit, die Sprecher Christian Berkel kongenial umsetzt.

Der Prokurist Kees Popinga führt in Groningen als Angestellter einer Reederei ein ruhiges Leben. Eines Abends eröffnet ihm sein Chef, dass seine Firma wegen Betrugs bankrott ist. Für Kees Popinga bricht eine Welt zusammen. Als er am nächsten Morgen in seinem trauten Heim aufwacht, fällt er eine Entscheidung. Der Mann, der den Zügen sonst nur nachsah, beschließt ohne seiner Familie Bescheid zu sagen, einen Zug zu besteigen und ein neues Leben zu beginnen.

Den Anfang macht er voll überbordenden Selbstbewusstseins bei der Geliebten seines ehemaligen Chefs, Pamela. Er besucht sie in einem Luxushotel in Amsterdam, um mit ihr eine Nacht zu verbringen. Doch Pamela reagiert auf seine Avancen nicht ganz so, wie er es sich erträumt hatte. Mit fatalen Folgen für sie.

"Der Mann, der den Zügen nachsah" ist ein Roman, der beweist, dass Georges Simenon auch jenseits der so populären "Maigret"-Reihe ein überaus lesenswerter Schriftsteller ist, dessen Stil ebenso durch Klarheit wie durch Scharfsinn und Humor überzeugt. Ein Stil, der in Übersetzung von Ulrike Ostermeyer voll zur Geltung kommt.

Sprecher Christian Berkel gibt dem Erzähler des Romans eine Ruhe und feine Ironie. Außerdem gelingt es ihm ganz subtil, den Ton der verschiedenen Figuren abzubilden. Auch die innere Wandlung seines Helden vom verschüchterten Prokuristen hin zum zynischen Mörder macht er mit seiner vollen und leicht knarzigen Stimme erlebbar. So ist "Der Mann, der den Zügen nachsah" in dieser ungekürzten Lesung von der ersten bis zur letzten Sekunde spannende und bereichernde Unterhaltung.

Eine Rezension von Christoph Ohrem

Literaturangaben:
Georges Simenon: Der Mann, der den Zügen nachsah
Aus dem Französischen Ulrike Ostermeyer
Ungekürzte Lesung mit Christian Berkel
Der Audio Verlag, 5 CDs, 428 Minuten Laufzeit, 22 Euro

Buchvorlage erschienen beim Kampa Verlag, 272 Seiten, 22,90 Euro

Stand: 23.08.2019, 12:55