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"Bernhard für Boshafte" von Thomas Bernhard

Hörbuchcover: "Bernhard für Boshafte" von Thomas Bernhard

Hörbuch der Woche

"Bernhard für Boshafte" von Thomas Bernhard

Hier werden sie alle niedergemacht und in den Staub getreten: Schriftsteller, Lehrer, Städte, Staat und die gesamte Theaterwelt. Das einstündige Best of des Großschimpfers Thomas Bernhard ist die lustigste Wutorgie, die sich denken lässt.

Warum Salzburg, Augsburg, Regensburg schlimm sind? Weil in ihnen "jahrhundertelang der Stumpfsinn warmgestellt ist". Und in Lübeck? "Stinkt es am mitleidlosesten". Die reizbarsten der Bernhardschen Romanfiguren (und reizbar sind sie alle) müssen nur aus dem Bett steigen, um gleich mit der ganzen Welt im Clinch zu liegen.

Als Thomas Bernhard seine ersten Bücher vom Stapel ließ, galt er als großer Schwarzmaler. Fast ehrfürchtig wurden seine Schimpftiraden aufgenommen, inzwischen liest man ihn entspannter und stellenweise regelrecht fröhlich, weil seine literarischen Poltereien mit ihren unvermeidlichen Steigerungen ins Absolute und Totale am Ende ja tatsächlich nichts als komisch sind. Immer wieder schrauben die Bernhardschen Grantler ihre alttestamentarische Wut spiralförmig hoch und höher, ein Feuerwerk der Verdammungen und Komplettverwünschungen, die der österreichische Schauspieler Peter Simonischek erfrischend unversöhnlich und stets mit dem richtigen Drive herausknurrt, herausbellt, herausschleudert. Gnadenlos.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Literaturangaben:
Thomas Bernhard: Bernhard für Boshafte
Gelesen von Peter Simonischek
Der Hörverlag, 1 CD, 60 Minuten Laufzeit, 14,99 Euro

Stand: 11.10.2019, 15:00