"Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" von Christine Lavant

Hörbuchcover: "Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" von Christine Lavant

Hörbuch der Woche

"Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" von Christine Lavant

Die autobiographische Erzählung Christine Lavants entstand 1945. Gerti Drassl gestaltet meisterhaft in der musikalisch unterstützten Lesung, klingt zart, fragil, traumverloren, dann wieder schonungslos, kalt.

Der Name Christine Lavant hingegen ist weitgehend unbekannt, obwohl sie als bedeutende Literatin des 20. Jahrhunderts gilt. 1915 wurde sie in Kärnten als Tochter eines Bergmanns und einer Flickschusterin geboren. Lavant lebte in ärmlichen Verhältnissen, musste die Schule abbrechen und verdiente ihr Geld mit Stricken. Doch sie las unablässig und begann selbst zu schreiben.

Ab den 50er Jahren wurde sie in Literaturkreisen anerkannt und bis zu ihrem Tod 1973 unterstützt. Die "Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" wurden erst 2001 veröffentlicht. Christine Lavant hatte sich 1935 für einige Wochen in die Klagenfurter Landes-Irrenanstalt behandeln lassen. Auch dort ist sie eine Außenseiterin, sie zweifelt an sich, sucht Halt im Schreiben.

Wie Sprecherin Gerti Drassl diesen berührenden, dichten Text interpretiert, mit seinen poetischen Bildern, aber auch fast brutaler Selbst-Reflexion, ist beeindruckend. Sehr zart, fragil gestaltet sie, klingt mal traumverloren, sehnsuchtsvoll, dann wieder kalt, schonungslos. Unterstützt wird sie mit geräuschhaften Klängen des Ensembles Brot & Sterne.

Eine Rezension von Christian Kosfeld

Literaturangaben:
Christine Lavant: Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus
Gesprochen von Gerti Drassl
Mit Musik von Brot & Sterne (Hautzinger, Loibner, Rosmanith)
Mandelbaum Klangbuch, CD mit 32-seitigem gebundenen Buch, 25 Euro

Stand: 10.01.2020, 14:21