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"Killer's Choice" von Louis Begley

Buchcover: "Killer's Choice" von Louis Begley

Der Einminutenverriss

"Killer's Choice" von Louis Begley

Er hätte es nicht nötig gehabt, sich auf ein neues, tödliches Genre zu begeben: Louis Begley, US-Autor von Bestsellern wie "About Schmidt" oder "Lügen in Zeiten des Krieges". Schon sein erster, vor drei Jahren auf Deutsch erschienener Krimi, wurde in hiesigen Feuilletons als hanebüchen und unlogisch abgetan.

Nun folgt der zweite unter dem Titel "Killer’s Choice". Auch diesmal lautet ein wohlgemeinter Rat an den Autor: Lass es gut sein. Es reicht einfach nicht. Nicht für Spannung, nicht für Atmosphäre und wieder nicht für Logik und Glaubwürdigkeit. Die zentrale Figur in "Killer’s Choice", Jack Dana, ein ehemaliger Militär, lebt üppig und sorglos als Schriftsteller in der von Begley mit Vorliebe skizzierten Oberschicht der amerikanischen Ostküste.

Doch dann schleicht sich ein "Monster" in sein Leben, offenbar verbandelt mit Danas Erzfeind Abner Brown, den er zum Selbstmord trieb. Von da an geht es seitenlang - bei Rosé Champagner, Austern und poschiertem Lachs - vor allem darum, wie man sich vor diesem "Monster" schützen könnte. Während Danas Hund "Satan", die eigentliche Hauptfigur der Geschichte, schön brav wieder und wieder pflichtschuldig sein Geschäft erledigt, sodass sein Herrchen eigentlich vollauf damit beschäftigt wäre, die Haufen einzusammeln, einzutüten und gleich in den Behälter für Hundedreck zu legen. Wäre da nicht, wie gesagt, dieses unfassbare Monster.

So bewegend Begleys Romane sind, so abwegig und unschlüssig sind diese beiden Krimis. Mit über 80 begann der inzwischen 86-jährige Autor mit dem Krimischreiben – und hätte es lieber nicht getan. Auch der jetzige langweilt durch gestelzte Dialoge, lässt seine Figuren steif und unglaubwürdig wirken. Und selbst das wirklich grauenhafte Finale kommt trotz aller Brutalität zu hölzern und distanziert daher. Die Schmerzen, die beschrieben werden, sind zu weit weg, die Schreie verhallen in ihrer Inszenierung inszeniert, die Verletzungen gehen nicht unter die Haut. Der Leser, so die Folge, langweilt sich über 250 Seiten lang.

Eine Rezension von Ingrid Müller-Münch

Literaturangaben:
Louis Begley: Killers Choice
Suhrkamp Verlag, 252 Seiten, 22 Euro

Stand: 17.01.2020, 13:55