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"Eine alte Geschichte. Neue Version" von Jonathan Littell

Buchcover: "Eine alte Geschichte. Neue Version" von Jonathan Littell

Der Minutenverriss

"Eine alte Geschichte. Neue Version" von Jonathan Littell

Jonathan Littell legt eine Fortschreibung seines früheren Romans "Eine alte Geschichte" vor. Er hätte seine Leser mit der Fortschreibung der Blut-, Sperma- und Gewaltorgie besser in Ruhe gelassen.

Jonathan Littell hat als Autor eine Obsession für die dunklen und brutalen Seiten des Menschen. Er hat sich für seinen Welterfolg "Die Wohlgesinnten" in den Kopf eines SS-Offiziers hineingedacht. Er hat literarische Berichte aus diversen Kriegs- und Krisenregionen der Welt vorgelegt.

Jetzt hat er ein Buch von 2016 fortgeschrieben, "Eine alte Geschichte". Der frühere Roman hatte allerdings den Vorzug, nur 128 Seiten zu haben. Die Neufassung kommt auf quälende 334 Seiten. Quälend, weil Littell nach demselben Muster vorgeht: Sein Ich-Erzähler, dessen Identität schwankend ist, läuft oder fährt herum und öffnet Türen. Dahinter erlebt er Szenen, die immer mit Gewalt und Sex zu tun haben.

Der Testosteron-gesteuerte Mann kann die ihm innewohnende Gewalt nur durch Sex sublimieren, will Littell uns wohl sagen. Selbst wenn das die traurige Wahrheit ist, erzählt das Buch in zahllosen Variationen doch immer nur dasselbe.

Eine Rezension von Dina Netz

Literaturangaben:
Jonathan Littell: Eine alte Geschichte. Neue Version
Aus dem Französischen von Hainer Kober
Hanser Berlin, 334 Seiten, 26 Euro

Stand: 14.06.2019, 12:03