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"Ein Stadtmensch im Wald" von H.D. Walden

Foto Westermann Wallentin im Studio

Gemeinsamer Westermann-Wallentin-Tipp

"Ein Stadtmensch im Wald" von H.D. Walden

Der Autorenname ist ein Pseudonym. Dahinter steckt der bekannte Schweizer Autor Linus Reichlin. Er hat diesen Namen mit Bedacht gewählt. Erweist damit seine Reverenz dem amerikanischen Autor H.D. Thoreau, der vor fast 170 Jahren „ Leben in den Wäldern" schrieb,
bis heute ein Klassiker unter Aussteigern.

Der Autor des aktuellen Buches will kein Aussteiger sein, nur mal raus aus dem Corona-Chaos in der Stadt, still und grün soll es sein, damit er zur Ruhe kommt. Er zieht in die Hütte einer Freundin, mitten in den Wäldern von Brandenburg. Der Stadtmensch hat natürlich keine Ahnung. Vögel zum Beispiel sehen für ihn alle gleich aus, aber er hat eine Vogelbestimmungsapp und stellt erstaunliche Ähnlichkeiten fest: Vögel haben was von Menschen. Die Mönchsgrasmücke ist ein Draufgänger wie Tom Cruise im Kino, während der Kleiber einen so überdrehten Eindruck macht, dass man meinen könnte, er habe ein paar Linien Kokain gezogen.

Es sind auch diese Vergleiche mit der Menschenwelt, die einem beim Lesen still fröhlich stimmen. Weil sich da einer höchst erstaunt selbst beobachtet, sich und seine Verwandlung in der grünen Einsamkeit. Das beschreibt er mal amüsant, mal nachdenklich, oft mit leiser Ironie. Für den Leser ist das pures Vergnügen. Kein bisschen pädagogisch, zu keiner Sekunde langweilig.

Eine Rezension von Christine Westermann und Andreas Wallentin

Literaturangaben:
H.D. Walden: Ein Stadtmensch im Wald
Galiani Berlin, 110 Seiten, 14 Euro

Stand: 25.03.2021, 23:55