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Buchcover: "Von Teufeln und Heiligen" von Jean Baptiste Andrea

"Von Teufeln und Heiligen" von Jean Baptiste Andrea

Stand: 25.11.2022, 12:35 Uhr

Der Roman war das Lieblingsbuch der französischen Buchhändler und Händlerinnen, steht im Klappentext unserer ersten Buchempfehlung. Ist für mich wie ein Gütesiegel.

Im Mittelpunkt ein Mann, der in Paris auf Bahnhöfen und auf dem Flughafen Klavier spielt. Nicht, weil er Geld braucht. Er wartet. Auf eine Frau. Tut das schon sein halbes Leben lang. Um das zu verstehen, muss man viele Jahre zurückgehen, in ein französisches Waisenhaus nahe der Pyrenäen. Geführt von scheinheiligen, bigotten Priestern, die den Kindern das Leben zur Hölle machten. Bis ein Mädchen namens Rose auftaucht.

Mehr sollte ich nicht erzählen, dieses Buch hat seinen ganz eigenen Zauber, seine ganze eigene Zartheit. Und die ist umso erstaunlicher, als es in diesem Roman über ein Waisenhaus in den 60er Jahren so teuflisch böse, so emotional brutal zugeht, dass man Mühe hat, die Fassung zu bewahren. Mühe vielleicht auch deshalb, weil diese Geschichte so nah dran am richtigen Leben zu sein scheint. An all dem, was man mittlerweile weiß, von der katholischen Kirche, ihren Priestern, dem sexuellen Missbrauch von Kindern, die man ihnen anvertraut hatte. Die zum Schweigen gezwungen werden und seelisch schwer verletzt ins Leben gehen. Verletzt von Teufeln, die sich als Heilige gebärden und von Engeln reden.

Der Roman strahlt eine unglaubliche Kraft aus. Erzählt über Liebe und Freundschaft. Und weiß um den Trost, den Musik bringen kann. Welche Macht sie hat, wenn man sich nur traut, sie zu hören. Ein überaus bewegendes Buch, eine Reise zwischen Lachen und Weinen, hat ein französischer Kritiker geschrieben. Besser kann man die Geschichte von Teufeln und Heiligen nicht zusammenfassen.

Eine Rezension von Christine Westermann

Literaturangaben:
Jean-Baptiste Andrea: Von Teufeln und Heiligen
Aus dem Französischen von Thomas Brovot
btb, 301 Seiten, 12 Euro