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"Trennungsroman" von Anna Brüggemann Noch

Buchcover: "Trennungsroman" von Anna Brüggemann Noch

Buch der Woche

"Trennungsroman" von Anna Brüggemann Noch

Noch einunddreißig Tage. Drei Wörter gleich zu Beginn des Romans skizzieren den Anfang vom Ende. Das Ende nach acht Jahren Beziehung zwischen Thomas und Eva.

Zwei Jahre davon eine Fernbeziehung, sie zum Studium in Paris, er in der gemeinsamen Berliner Wohnung. Als Eva zurückkommt, könnten sie die gewohnte Zweisamkeit wieder aufnehmen. Aber weitermachen wie bisher, das ist ihr zu wenig. Sie denkt an Heiraten und Kinder. Er glaubt, dass es zu früh ist, um eine Familie zu gründen, ein Haus zu kaufen, zusammenzubleiben, bis dass der Tod euch scheidet. Das ganze Programm, an dem auch schon die Eltern gescheitert sind.

Auf vierhundertelf Seiten zählt der Roman erbarmungslos die Zeit herunter, die den beiden noch bleibt, um sich zu trennen. Oder zu reparieren, was in Schieflage geraten ist. Ein Roman, bei dem sich die emotionale Spannung fast wie in einem Thriller unerbittlich steigert.

Wie die beiden versuchen, miteinander zu reden, dabei immer sprachloser werden, wie die Gedanken in die Irre gehen oder ins Leere laufen, wie Thomas und Eva Nähe zwingen wollen und sich stattdessen immer weiter voneinander entfernen, das hat die Autorin Anna Brüggemann nahelos perfekt in Worte gefasst und in Szene gesetzt.

Es zu lesen, ist beklemmend und befreiend zugleich. Man hat dabei seine eigene(n) Trennungsgeschichte(n) im Kopf und im Herzen. Und versteht einmal mehr, dass man sein Leben nach vorne lebt, aber erst in der Rückschau begreift, warum ein böses Ende manchmal auch ein gutes sein kann.

Eine Rezension von Christine Westermann

Literaturangaben:
Anna Brüggemann: Trennungsroman
Ullstein, 411 Seiten, 20 Euro

Stand: 28.05.2021, 16:23