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"Sprache und Sein" Kübra Gümüsay

Buchcover: "Sprache und Sein" Kübra Gümüsay

Buch der Woche

"Sprache und Sein" Kübra Gümüsay

Kübra Gümüsay ist eine der wichtigsten feministischen Stimmen Deutschlands. Von ihr stammt die Forderung nach "Fehlerkultur", nach "Love-Politics" und nach Menschlichkeit in einem Diskurs, der auf Entmenschlichung setzt. Jetzt ist ihr lange erwartetes erstes Buch erschienen.

An Kübra Gümüsay werden viele Erwartungen herangetragen: Sie soll ein Buch über den Islam schreiben oder eines über den Netzfeminismus oder eines über Netzfeminismus und Islam. Ihre Verweigerung, dem zu entsprechen, ist politisch begründet. Denn solange man sich und seine eigene Existenz erklärt, bleibt man in den Zuschreibungen gefangen.

Man kann vielleicht die Glasvitrine ein wenig größer machen, in die der Diskurs Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund und vor allem muslimische Frauen verweist. Doch "Sprache und Sein" will diese Glasvitrinen nicht erweitern, sondern sprengen. Und das macht der Essay überraschend zärtlich. In Zeiten, in denen die politischen Debatten immer lauter und aufgeregter werden, bleibt Gümüsay vorsichtig und differenziert.

Ein großer Essay über die Sprache und was sie mit unserem Denken und Fühlen macht. Nach der Lektüre ist man ein besserer Mensch, oder es ist einem nicht mehr zu helfen.

Eine Rezension von Mithu Sanyal

Literaturangaben:
Kübra Gümüsay: Sprache und Sein
Hanser Berlin, 208 Seiten, 18 Euro

Stand: 14.02.2020, 12:33