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"Sein oder Nichtsein" von Klaus Pohl

Buchcover: "Sein oder Nichtsein" von Klaus Pohl

Buch der Woche

"Sein oder Nichtsein" von Klaus Pohl

Ein Buch, das es beinahe nicht gegeben hätte. Weil kein Verlag das Manuskript von Sein oder Nichtsein haben wollte. Dabei ist der Autor ein bekannter Mann: Schauspieler und Regisseur, 25 war er Jahre festes Ensemble Mitglied des Wiener Burgtheaters.

In seinem Roman geht es um die berühmte Hamletinszenierung von Peter Zadek aus dem Jahr 1999 in Straßburg. Der Regisseur Zadek, der seine Schauspieler mit Worten ebenso brillant in den Himmel heben wie in die Hölle schicken konnte.

Während der fast einjährigen Probenzeit für diesen Hamlet hat Pohl, der zum Ensemble gehörte, Tagebuch geschrieben. Hat die Macken und Schrullen, aber auch die Genialität der Schauspielertruppe aufgeschrieben: Angela Winkler, Otto Sander, Eva Mattes und allen voran Ulrich Wildgruber. Auf hunderten von Notizzetteln hat er diesen aberwitzigen Irrsinn festgehalten: die trunkenen Abende, die chaotischen Proben, die Unsicherheiten, die Zweifel und die Selbstüberschätzung, die Tränen und das Lachen, das tägliche Drama und den ganz banalen Quatsch.

Als kein Verlag den Roman über Sein und Nichtsein drucken wollte, beschloss der Autor, sein Manuskript vor Publikum zu lesen. Vier ausverkaufte Lesungen in Hamburg wurden für ein Hörbuch mitgeschnitten, fünf mitreißende Stunden.

Nun überschlugen sich die Kritiker vor Begeisterung. Der nackte Wahnsinn hieß es, unterhaltsam, witzig, einfühlsam. Hochdramatischer Probenroman, betörende Liebesgeschichte! Der Roman wurde endlich auch gedruckt und bekam gerade den Therese Giehse-Theaterpreis.

Eine Rezension von Christine Westermann

Literaturangaben:
Klaus Pohl: Sein oder Nichtsein
Galiani Berlin, 2021
288 Seiten, 23 Euro

Hörbuchangaben:
Gelesen vom Autor
Bei Audible, 2020
5 Std. und 24 Min. Laufzeit, 6,95 Euro

Stand: 27.08.2021, 11:37