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"Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist" von Şeyda Kurt

Buchcover: "Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist" von Şeyda Kurt

Buch der Woche

"Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist" von Şeyda Kurt

Warum lieben wir, wie wir es tun? Warum führen wir Beziehungen so und nicht anders? Und warum steht die Ehe - und nicht etwa Freundschaften - unter dem besonderen Schutz des Staates?

Şeyda Kurt, bekannt als Journalistin und durch ihre politischen Einwürfe unter @kurtzarbeit, legt ihr erstes Sachbuch vor und bricht damit direkt ein Tabu. Das Wort Liebe? - sollten wir am besten abschaffen, fordert sie.

Tatsächlich sind die philosophischen und soziologischen Vorstellungen von Liebe wenig liebevoll, sondern vielmehr durch klare Hierarchien geprägt. Und zwar nicht nur zwischen den Geschlechtern, was ja noch zu erwarten wäre, sondern auch zwischen weißen und nicht-weißen Menschen, zwischen Reichen und Armen.

Liebe, die doch eigentlich der Gegenentwurf zur harschen Wirklichkeit der Gesellschaft sein soll, entpuppt sich unter Kurts Lupe als Miniaturversion der Gesellschaftsverhältnisse, nur dass sie hier nicht mehr in Frage gestellt werden. Auf ihrer Reise durch die Ideengeschichte der Liebe und Partnerschaft fördert Kurt immer wieder Überraschendes zutage.

Bei ihr gibt es kein Happy End, sondern nur den Anfang der Auseinandersetzung auf Augenhöhe. "Radikale Zärtlichkeit" ist beides: radikal und zärtlich.

Eine Rezension von Mithu Sanyal

Literaturangaben:
Şeyda Kurt: Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist
Harper Collins, 224 Seiten, 18 Euro

Stand: 21.05.2021, 15:55